Dienstag, 26. August 2025

Brest at its best

Samstag, 23.8.
Guten Morgen aus der JugendherbergeNach einem Morgen-Workout am Strand, inkl. 2x 1 km Barfuß-Lauf, gehe ich gemütlich die 5 km Wanderweg! Richtung Stadtzentrum. Hier mache ich etwa 1,5 h Pause, eigentlich mitten in einem Wohngebiet!Dann begebe ich mich auf eine 5 km Innenstadt-Route - Vorschlag von ein Aushang im Hostel.
Auch an den rechten unteren Bildrand schauen;-) :Der Turm beherbergt eine kostenlose! Austellung, die die Stadtgeschichte in aufwändigen, einfach tollen Miniatur-Ansichten zeigt:
Rue Saint Malo
Hier kreuzen die Seilbahn-Gondeln übereinander. Ein technisches Highlight, das ich mir natürlich nicht entgehen lassen möchte.Charlotte bringt einen sicher in schwindelerregender Höhe über die Penfeld :-)
"Abschiedsessen" von Brest an einem coolen hippen (mal im positiven Sinne) Food-Court. Die Räumlichkeiten müssen mal eine Druckerei gewesen sein - überall stehen alte Heidelberger Druckmaschinen rum :-D
Sonntag, 24.8.
Der Zug heim geht erst 13:00. Da bietet sich die Zeit davor für eine 10,5 km Jogging-Runde inkl. Proviant-Kauf bei einem InterMarche an. Ich laufe durch zwei unglaublich schöne bewaldete Täler/Naturschutzgebiete. Wasser überall, super Infrastruktur, einfach traumhaft. Die abschließende "Dusche" im Meer bleibt mir verwehrt: Gleiches Problem wie am Donnerstag.

Der Weg zum Bahnhof wird nochmal kribbelig: Als ich an der Haltestelle ankomme, wird gerade die Straße gesperrt, offenbar für eine Sportveranstaltung. Der Bus kommt hier nicht mehr vorbei. 200 m weiter fährt nur eine ganz andere Linie, die eine große Runde durch die Stadt dreht. Der elektrische Heuliez-Bus ist zum Glück pünktlich unterwegs. Dort wo ich aussteigen muss weiß ich mich zu orientieren - war gestern erst an der Ecke. 8 min für 700 m, es passt.

In Morlaix steigt Baumi zu und wir nutzen die restliche Rückfahrt um die Erlebnisse von unseren getrennten Etappen auszutauschen.
Zusammen kann man wohl sagen: 
We did Ireland ! ! !
Kartenbasis: openrailwaymap
(Baumi=grün, hier kämen eigentlich noch mehrere Rad-Etappen und eine Autofahrt (Carsharing) dazu.)

Verkehrsmittel - Statistik final:
+ 1x Bus Holt-Bradford
+ 1x Bus Rosslare Europort-Wexford
+ 3x DART Bray-Dublin und Howth hin- und zurück
+ 6x Bus in Belfast
+ 1x Bus in Derry - gratis ;)
+ 4x Bus Brest
+ 1x Straßenbahn Brest

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28 Züge inkl. S-, U-, Straßenbahn
17 Busfahrten
2 Hochseefähren
1 Flussfähre

Auf Opas Spuren

Freitag, 22.8.
Der Vater meiner Mutter ist verstorben, als ich 6,5 Jahre alt war. Dementsprechend wenig Erinnerung habe ich an ihn. Ich meine, er hatte mein Interesse an Landkarten und Geographie geweckt. Opa muss im zweiten Weltkrieg so etwas wie ein Dokumentar-Fotograf bei einem Pionier-Bataillon gewesen sein. Er hat uns ein Fotoalbum von damals hinterlassen. Die Fotos privat zu verwenden hätte bestimmt eine empfindliche Strafe bedeutet. Hut ab, dass er das riskiert hat. Ich habe, mal mehr, mal weniger zufällig, schon mehrere Orte, an denen er damals (1940) gewesen ist, besucht. Diesmal die Bretagne.
Ich möchte rein gar nichts beschönigen und distanziere mich vollumfänglich von den Umständen, die ihn an diese Orte geführt haben. (Vielleicht könnte ich mir diesen Satz sparen, aber man weiß ja nie.)

Gestern war ich nicht auf das Viadukt gekommen. Zu späterer Stunde wird der Weg verschlossen. Auf heißt aber nur die Mittelebene. Opa konnte damals offenbar oben auf den Gleisen lang.
Was fällt auf? Natürlich die Lastkähne, und dass der Fluss noch einige hundert Meter weniger überbaut war. Inzwischen überlegt man, ihn wieder in Gänze zu öffnen. Wasser ist vielleicht doch etwas schöner als Parkplätze?!
Außerdem existiert immer noch das Glasdach des Hauses im Vordergrund, was man auf diesem Foto von mir besser sieht (etwas rechts von der Bildmitte).
Zweieinhalb Jahre nachdem mein Opa dort war, wurde Morlaix heftig vom Krieg erschüttert. Davon zeugt eine Kapelle, die ich auf dem Weg zum Bahnhof fand :.-(

Mein nächstes Ziel: Brest.
Die Jugendherberge dort liegt 4,5 km außerhalb. Am Bahnhof gibt es keine Schließfächer. Also wieder eine Wanderung mit vollem Gepäck, was soll's.
Tagesticket ÖPNV: 4,50 €. Eine Buslinie zu einem Technologiepark/technische Hochschule, etwa 7 km westlich vom Stadtzentrum, bringt mich am weitesten in Richtung meines heutigen Ausflugsziels. Der Mittagshunger ist schon da und die letzte Essensmöglichkeit ist die Mensa auf dem Campus. Zum Glück drückt die Dame an der Kasse ein Auge zu (eigentlich nur für Studis/Mitarbeitende). Ich bekomme für 12 € ein leckeres 3-Gänge-Menü.
Dieser Strand ist nur etwa einen km entfernt. Baden im Atlantik: Check!
Nach gut 5 km Wanderung, schönster Wanderpfad, teils an Klippen, teils dicht bewaldet, sehr schöne Natur und über 200 hm, kommt schließlich der Phare du Petit Minou in Sicht.
Hoppla, das sind ja jetzt zwei Türme. Den gleichen Blick wie hier 1940 gibt es deshalb nicht mehr.
Der zusätzliche Turm wurde nicht etwa in späteren Weltkriegsjahren erbaut, sondern 1961, zur Zeit des kalten Krieges, als Radarturm zur Überwachung der Straße von Brest. Das ist nämlich die Meeresenge, an der man sich hier befindet, militärisch hoch bedeutsam zur Absicherung der Reede (Bucht) von Brest. Deswegen gibt es auf der Landseite auch eine Festung, von den Deutschen natürlich gerne in Beschlag genommen, 1944 von den Amerikanern teils zerbombt und auch im kalten Krieg weitergenutzt.

Für den Rückweg entscheide ich mich für einen einfacheren Weg im Landesinneren. Wider Erwarten ist auch der recht schön: Kaum befahrene Kreisstraßen durch winzige Dörfer und ein längerer Wald-Abschnitt.
45 min Linienbus will ich mir nicht nochmal geben, da steige ich lieber an deren Endstation in die Straßenbahn um. Langsam knurrt wieder mein Magen. Umso besser, dass ich auf den ersten Metern von der Straßenbahn zum Bus Richtung Jugendherberge in einen Falafel-Laden laufe. 6 € für einen frischen Wrap, dazu Pommes mit Soße nach Wahl, das ist mal eine Ansage.
An der Haltestelle wird die "Ligne Bleue" beworben, eine Touri-Linie, die nur Juli+August und zu Festlichkeiten betrieben wird, mit Doppeldecker-Bussen. Als der Bus erscheint, stelle ich zu meiner Freude fest: Das was Google Maps mir als Linie 29 angezeigt hat, IST die Ligne Bleue :-)
Strand (mit Bahnblick) fast vor den Türen der Herberge

Samstag, 23. August 2025

Ebbe

Donnerstag, 21.8.

Mit dieser Fähre ist alles super, die Nacht war trotzdem schlecht. Ich habe Liegesessel gebucht - soweit grundsätzlich kein Problem. Der entsprechende Bereich auf der Amorique ist leider eindeutig zu kalt oder zugig klimatisiert. Auch andere Passagiere sitzen/liegen teils mit Winterjacken da. Ich hole nach und nach immer mehr Kleidungsstücke aus meinem Rucksack und lege sie wie einen Flickenteppich über mich, aber irgendwo zieht es immer durch. Ich denke, selbst eine richtige Decke hätte nichts gebracht, außer vielleicht Daunen. Ich schätze meinen effektivem Schlaf auf 3 h.

Ich habe trotzdem große Pläne und der Tag ist noch jung - Ankunft pünktlich 8:00 und ein mini Frühstück war auch schon drin. Da kann man auch mal eine größere Wandertour anvisieren, und zwar 20 km auf dem GR34 bis Carantec. Roscoff selbst statte ich auch noch einen kurzen Besuch ab. Gesamte Route ganz unten.

Die Sonne kämpft sich langsam durch.

Hecken-Faible auch in der Bretagne. Hier muss unbedingt noch eine hin ;-) Hinten links übrigens die Fähre. Der Anlegeplatz ist sehr exponiert: Ich sehe sie noch den ganzen Tag, bis sie 15:00 zurück nach Irland düst, den Baumi abholen ;-)

Edit: Baumis Fähre war eine andere, die Amorique ist weiter nach England gefahren.

Lustige Bilderausstellung an der Promenade von Saint-Pol de Léon.Perfekter Strand, unglaublich feiner Sand. Leider hat der Mond, die dumme Sau, das Wasser geklaut. Um ein bisschen Schlaf nachzuholen ist er dennoch perfekt.Ob das hier bei Flut auch alles unter Wasser steht?Über die Brücke im Hintergrund muss ich rüber. Anders komme ich nicht über die Mündung der Penzé.Geschafft (auf die Brücke)In Carantec schließlich ist das Wasser zurück. Leider bleibt mir zu wenig Zeit für ein entspanntes Bad.Wieder ein Gratis-Bus, nach Morlaix, immerhin 15 km!

Nach einer Dusche in der Jugendherberge geht's sogleich ins Stadtzentrum. Da gibt es gerade einen Nachtmarkt uuuuund zwei KLiBA-Kollegen, Heiko und Anita mit Tochter, sind auch im Bretagne-Urlaub und heute eben auf diesem Markt. Ein tolles Treffen in der Ferne!

Das berühmte Eisenbahn-Viadukt von Morlaix. Ansonsten gibt es viel Streetart und hübsche alte (Fachwerk)Häuser hier.

Ca. 300 hm

Donnerstag, 21. August 2025

Auf hoher See

Mittwoch, 20.8.

Heute nochmal volle Ladung Iarnród Éireann mit vier Fahrten am Stück.

Letzter Umstieg, in Cork Kent (=Hbf).

Regulärer Weg zur Fähre: Über eine Stunde Linienbus. Nichts für mich! Stattdessen: 20 min Vorortzug, hier schließlich Abschied von der Irish Rail.850 m Fußweg zu einer Fähre über den Lee, dann nur noch 13 min Linienbus. Klappt alles wie am Schnürchen!Die große Fähre, Brittany Ferries Amorique, fährt von einem Kaff 15 km südöstlich von Cork. Hier gibt es genau ein Lokal. Ich hätte erwartet, dass sich hier sich schon die halbe Fähre trifft. Tatsächlich scheinen die Gäste einheimisch, von einer großen Gruppe junger Französinnen und Franzosen abgesehen. Ich erfahre, dass es Studis sind, alle aus der Bretagne, die für mehrere Wochen auf der Amorique arbeiten. Das Foto entstand, nachdem die meisten von ihnen schon los sind. An Bord wiedergesehen habe ich nur eine. Zu groß die Fähre und das meiste zu tun ist sicher hinter der Kulisse.Am Passagierterminal gibt es eine ältere Dame, die mit Argusaugen, dabei aber sehr freundlich, über die Sicherheit vor und hinter dem Terminal wacht. Im muffigen Terminal will ich natürlich nicht warten. Ein Spaziergang ist mir nicht gestattet! "Zu viele schnelle Autos" ( die Autoeinfahrt ist mehrer 100 m weg ;-) ). Aber genau hier darf ich sitzen :-D :Die beiden neuen Hafenkräne haben Grundschüler benannt, nach Figuren von Saagen aus der Region.

Ein französisches Pärchen erscheint zum Rauchen vor dem Terminal. Die Gesichter kommen mir doch bekannt vor! und zwar schon vom vorletzen Umstieg, 150 km nördlich von hier. Ziemlicher Zufall. Die beiden geben mir 2 Ausflugstipps für die Bretagne. Vielen Dank!

So sollte ein Oberdeck aussehen! Zu wenig Sitzplätze? Jein. Auf hoher See wird es leider sofort ungemütlich.

Französische Logik oder aus Sicherheitsgründen? :-D

Edit: Die Fähre hat in beiden Häfen mit der Heck-Seite festgemacht. Das hier IST die Heck-Seite. Bedeutet: Die Autos müssen teils rückwärts ausparken, zweimal die Fähre der Länge nach durchqueren, um sie dann vom darunter liegenden Deck aus zu verlassen. Nur Recht, dass es ihnen auch nicht zu einfach gemacht wird :-p

Just my thoughts... :

Was zum Geier braucht ihr immer und überall euer f*cking eigenes Auto?

Ohne ist man ja totaaaaal unflexibel und kommt niiiirgends hin. Der öffentliche Verkehr ist überhaupt überall total schlecht ausgebaut. Das ist ganz sicher der Fall, auch wenn man es nie recherchiert, geschweige denn selbst ausprobiert hat.

Da sind wir wieder beim Kernthema meines Blogs. Hier könnt ihr ja sehen, dass man auf keinen Fall herumkommt ohne Auto ;-)

Traveling not here not there

Dienstag, 19.7.
Pünktlich 7:15 geht's vom Bahnhof Botanic, nur 100 m vom Hostel, nach Derry (offiziell Londonderry), dem nördlichsten Punkt meiner Reise und zweitgrößte Stadt Nordirlands. Die Innenstadt liegt auf der anderen Seite des Flusses Foyle. Der Weg rüber sieht unspannend und relativ weit aus (2 km?). Da kommt mir ein Bus am Bahnhofsvorplatz gerade recht. Der nimmt mich sogar kostenlos mit, keine Ahnung warum! In Derry sehe ich nur E-Busse, meist Ein-Decker.
Scheinbar landesweit bekannt ist Derry für die breite Stadtmauer (17. Jahrhundert), auf der man eine vollständige Runde (1,5 km) gehen kann, wirklich cool!
Ungeahntes Highlight ist eine katholische Kirche, die ich nur zufällig betrete. Die Dame am Eingang freut sich wie ein Kind über meinen Besuch und drückt mir stolz eine deutschsprachige Broschüre in die Hand. Die Kirche ist gleichzeitig ein Museum. Schon mal eine Modelleisenbahn in einer Kirche gesehen? :-D
Ein roter Expressway-Bus (Flixbus gibt es in Irland nicht, fast ein Wunder) ist nicht wirklich ein Express, hält an vielen Milchkannen und braucht gut 3 h bis Sligo, was 40 min zu viel sind.
Nicht so schlimm, dass mein Aufenthalt auf 30 min geschrumpft ist. Sligo wirkt nicht, als hätte es viel zu bieten. Genau so ein TFI(Transport for Ireland)-Bus wird mein übernächstes Transportmittel sein.
Zunächst aber nochmal knapp 2 h Irish Rail bis Mullingar.
Blumenschmuck auf den Bahnsteigen sieht man oft - ganz ohne BuGa ;-)
VIP :-D
Na gut, in Wahrheit nur ein nettes Feature des Irish Rail Buchungssystems, wenn es denn mal funktioniert..
Der nächste Bus, obwohl vom Betreiber her Regional-, ist ein Expressbus, und bringt mich mit nur zwei Halten, teils über die Autobahn!, nach Athlone. In Athlone gibt es eine junge protestantische Kirche (30er Jahre)..
..und eine alte Bastion (13. Jahrhundert)
In meiner Unterkunft fühlt man sich eher wie bei jemandem zu Hause zu Gast. Ich bin alleine auf meiner Etage.
Gute Nacht Athlone

Thank you for Traveling with Iarnród Éireann (Irish Rail) klingt vor allem in der gälischen Version ...not here not there. Wie man "Eireann" ähnlich wie "there" ausspricht, bleibt mir rätselhaft.
Träwelling not here not there gefällt mir jedenfalls gut :-D

Zeit für die Kategorie "Auffällig in Westengland und Irland (gleichermaßen)":
- Bustüren? Eine muss reichen. So hoch ist das Passagieraufkommen ja nicht.
- Mülleimer? In den meisten Zügen keine.
- Mülltrennung? Eher nicht. Auf den irischen Bahnsteigen gibt es spezielle Behältnisse "only recyclable". Aber was zählt dazu?
- Hecken! Quer über die Wiesen, meist auch entlang der außerörtlichen Straßen. Dann oft so hoch, dass man leider nicht in die Landschaft schauen kann. An Grün mangelt es nicht. Wirklich schön!
- Golfplätze! Wahrscheinlich alle 10 km. 10 habe ich bestimmt gesehen während meiner Fahrten.