Der Vater meiner Mutter ist verstorben, als ich 6,5 Jahre alt war. Dementsprechend wenig Erinnerung habe ich an ihn. Ich meine, er hatte mein Interesse an Landkarten und Geographie geweckt. Opa muss im zweiten Weltkrieg so etwas wie ein Dokumentar-Fotograf bei einem Pionier-Bataillon gewesen sein. Er hat uns ein Fotoalbum von damals hinterlassen. Die Fotos privat zu verwenden hätte bestimmt eine empfindliche Strafe bedeutet. Hut ab, dass er das riskiert hat. Ich habe, mal mehr, mal weniger zufällig, schon mehrere Orte, an denen er damals (1940) gewesen ist, besucht. Diesmal die Bretagne.
Ich möchte rein gar nichts beschönigen und distanziere mich vollumfänglich von den Umständen, die ihn an diese Orte geführt haben. (Vielleicht könnte ich mir diesen Satz sparen, aber man weiß ja nie.)
Gestern war ich nicht auf das Viadukt gekommen. Zu späterer Stunde wird der Weg verschlossen. Auf heißt aber nur die Mittelebene. Opa konnte damals offenbar oben auf den Gleisen lang.
Was fällt auf? Natürlich die Lastkähne, und dass der Fluss noch einige hundert Meter weniger überbaut war. Inzwischen überlegt man, ihn wieder in Gänze zu öffnen. Wasser ist vielleicht doch etwas schöner als Parkplätze?!
Außerdem existiert immer noch das Glasdach des Hauses im Vordergrund, was man auf diesem Foto von mir besser sieht (etwas rechts von der Bildmitte).
Zweieinhalb Jahre nachdem mein Opa dort war, wurde Morlaix heftig vom Krieg erschüttert. Davon zeugt eine Kapelle, die ich auf dem Weg zum Bahnhof fand :.-(
Außerdem existiert immer noch das Glasdach des Hauses im Vordergrund, was man auf diesem Foto von mir besser sieht (etwas rechts von der Bildmitte).
Mein nächstes Ziel: Brest.
Die Jugendherberge dort liegt 4,5 km außerhalb. Am Bahnhof gibt es keine Schließfächer. Also wieder eine Wanderung mit vollem Gepäck, was soll's.
Tagesticket ÖPNV: 4,50 €. Eine Buslinie zu einem Technologiepark/technische Hochschule, etwa 7 km westlich vom Stadtzentrum, bringt mich am weitesten in Richtung meines heutigen Ausflugsziels. Der Mittagshunger ist schon da und die letzte Essensmöglichkeit ist die Mensa auf dem Campus. Zum Glück drückt die Dame an der Kasse ein Auge zu (eigentlich nur für Studis/Mitarbeitende). Ich bekomme für 12 € ein leckeres 3-Gänge-Menü.
Nach gut 5 km Wanderung, schönster Wanderpfad, teils an Klippen, teils dicht bewaldet, sehr schöne Natur und über 200 hm, kommt schließlich der Phare du Petit Minou in Sicht.
Hoppla, das sind ja jetzt zwei Türme. Den gleichen Blick wie hier 1940 gibt es deshalb nicht mehr.
Der zusätzliche Turm wurde nicht etwa in späteren Weltkriegsjahren erbaut, sondern 1961, zur Zeit des kalten Krieges, als Radarturm zur Überwachung der Straße von Brest. Das ist nämlich die Meeresenge, an der man sich hier befindet, militärisch hoch bedeutsam zur Absicherung der Reede (Bucht) von Brest. Deswegen gibt es auf der Landseite auch eine Festung, von den Deutschen natürlich gerne in Beschlag genommen, 1944 von den Amerikanern teils zerbombt und auch im kalten Krieg weitergenutzt.
Für den Rückweg entscheide ich mich für einen einfacheren Weg im Landesinneren. Wider Erwarten ist auch der recht schön: Kaum befahrene Kreisstraßen durch winzige Dörfer und ein längerer Wald-Abschnitt.
45 min Linienbus will ich mir nicht nochmal geben, da steige ich lieber an deren Endstation in die Straßenbahn um. Langsam knurrt wieder mein Magen. Umso besser, dass ich auf den ersten Metern von der Straßenbahn zum Bus Richtung Jugendherberge in einen Falafel-Laden laufe. 6 € für einen frischen Wrap, dazu Pommes mit Soße nach Wahl, das ist mal eine Ansage.
An der Haltestelle wird die "Ligne Bleue" beworben, eine Touri-Linie, die nur Juli+August und zu Festlichkeiten betrieben wird, mit Doppeldecker-Bussen. Als der Bus erscheint, stelle ich zu meiner Freude fest: Das was Google Maps mir als Linie 29 angezeigt hat, IST die Ligne Bleue :-)
Strand (mit Bahnblick) fast vor den Türen der Herberge