Sonntag, 21. Dezember 2025

Epilog

Hätte ich noch weiterreisen wollen? Ja. Ich bräuchte dann regelmäßig längere Aufenthalte: Eine Woche, besser sogar zwei Wochen, um zeitweise "Ersatzheimat" zu haben. Ich habe jetzt ja schon gemerkt, dass mir längere Aufenthalte zwischendurch wichtig sind. Auch habe ich Kleinstädte gegenüber den Metropolen bevorzugt. Hier die Änderungen des ursprünglichen Reiseplans.

Auf einer Single-Plattform gibt es die Frage: "Könntest du ein Leben voller Reisen leben?" Ja! Mit einer Partnerin an meiner Seite. Aber ich würde nicht auswandern wollen. Mir sind die Freunde in meiner Region, Freunde in ganz Deutschland und meine Familie, in "Wochenend-Entfernung", wichtiger.

Habe ich ein schlechtes Gewissen mit dieser Reise? (Eigentlich war es "illegal", was ich tat: Laut Arbeitsamt hat man glaube ich 12 Tage Urlaub im Jahr.) Nein! Ich sehe meine Reise auch als Weiterbildung. Man lernt mit jeder Reise über sich selbst:

So kämpfe ich vor allem mit einer Macke, die ich "Pre-Worrying" nenne. Das bedeutet, ich mache mir Gedanken über mögliche Probleme, bevor überhaupt sicher ist, dass es zu diesen Problemen kommen wird. Ich bin nicht besonders dankbar, diese Eigenschaft von einem Elternteil geerbt zu haben. Dabei lehren die Erfahrungen jedes Mal aufs Neue, dass es am Ende sowieso immer gut ausgeht.
Ferner Plane ich oft zu viel, ich kann schwer anders: Den Zug 2h früher oder später, in welchen Ort, welche Unterkunft? Manchmal bringe ich Stunden mit der Planerei zu. Dabei haben sich Bauchentscheidungen bewährt und man kann im Urlaub an fast jedem Ort und zu jeder Uhrzeit eine gute Zeit haben!

Ich habe viele neue Leute kennengelernt, einige flüchtig, einige, die ich ziemlich sicher in Deutschland oder ganz woanders nochmal wiedersehen werde. Hiermit gehen Grüße raus an (in der Reihenfolge des Kennenlernens):
- Jan+2 aus Groningen (in Gent)
- Ioana aus London bzw. Rumänien (in Andorra)
- Andreea aus Rumänien (in Almería)
- Tobias aus Mainz (in Fès)
- Esther,Juanjo,Hassan aus Madrid/Marokko (in Diabat)
- Aschraf aus Tanger (in Tanger;-) )
- Sabine aus Mannheim (in Conil)
- Maria aus Lissabon (in Salamanca)
Wer mich kennt, weiß, dass es keine Floskel ist, wenn ich schreibe, dass ihr euch gerne melden könnt, wenn ihr in meiner Gegend (Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, aber auch Frankfurt oder Stuttgart) seid! Ich werde Gleiches tun.

Super lieben Dank und viele Grüße natürlich auch an Leute, die ich wiedertreffen konnte:
- Andrea in Gent
- Noelia & Sergio in Rotova
- Chris und Hannes in Albufeira
..und natürlich an die vielen "unbekannten" flüchtigeren Bekanntschaften, die mir aber trotzdem die Reise versüßt und oft wertvolle Tipps gegeben haben.
Vielen Dank, dass ihr alle dazu beigetragen habt, dass ich eine grandiose Zeit auf dieser Reise hatte.
Also, wenn ich die Frage höre: "Was, du reist alleine?!" Naja, so richtig alleine ist man ja auf Dauer nicht.

Ein "Problem" beim Reisen ist übrigens auch: Mit den meisten Personen, die man trifft, bekommt man Empfehlungen oder Ideen für neue Reiseziele: Ich habe diesen Urlaub etwa 10 Reiseziele abgehakt, aber ich habe nunmehr 170 offene Reiseziele in Google Maps markiert...

Samstag, 20. Dezember 2025

Interrail Preisvergleich


Zu meiner Überraschung habe ich mit dem Interrail-Pass sogar 110€ gespart. Dies entspricht allerdings genau den 20% Preisnachlass aus der Interrail-Rabattaktion.

Interessant: Auch wenn ich einen Pass für weniger Reisetage gewählt hätte, um nur die teuersten Fahrten abzudecken, wäre ich nicht günstiger weggekommen, da dann wiederum die Kosten des Passes pro Fahrtag deutlich höher sind.

Fazit: Zum Normalpreis würde ich persönlich Interrail definitiv nicht wieder nutzen. Außer ich wäre gezwungen, recht kurzfristig die teuren Strecken durch Frankreich und zwischen Barcelona und Madrid zu buchen, dann kann es sich rechnen. 

Leider ist es meilenweit davon entfernt, einfach in den nächstbesten Zug zu steigen. Sorry, das kann nicht die Zukunft des europäischen Bahnfahrens sein. Unter anderem fand ich (in der App) nervig: 

- Verbindungssuche: Manche Bahnhöfe existieren einfach nicht.

- Bei Verbindungen über Nacht werden wenig sinnvolle Umstiege angegeben.

- Über die App erworbene Reservierungen werden nicht beim jeweiligen Reiseplan mit angezeigt.

- Der Interrail-QR-Code funktioniert bei den Renfe Cercanías, S-Bahn Lissabon, ... nicht. Man muss jedes Mal vom Personal! das Gate öffnen lassen.

- Das Reservierungsportal ist sehr umständlich.

- Reservierungen in Portugal und bei einigen Verbindungen in Spanien sind nur am Schalter! möglich.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Genf nebulös - Fin du Voyage

Leider ist Genf heute in Nebel gehüllt. Die Sonne versucht sich immer mal durchzukämpfen, aber über dem See und später bis fast kurz vor Basel bleibt die Schweiz unterm Nebel.
Ich mag es, wenn ich eine Verbindung zu einer meiner früheren Reisen entdecke....oder sogar einem vorherigen Ort der aktuellen Reise.Dieser Stuhl, als Symbol gegen Streubomben und Landminen, befindet sich auf dem Platz der Nationen vor dem UN-Hauptgebäude (was man im Hintergrund im Nebel vielleicht gerade so erahnen kann :-/ ).
Nach einer kurzen Busfahrt, die mir laute Straßen erspart, kann ich meinen Spaziergang durch einen Park am Ufer des Genfersees fortsetzen. Die kleinen Boote über den See gehören auch zum ÖPNV, somit gratis für mich, das muss natürlich noch genutzt werden :)
Gründlich geputzt! :-D
Letzte Aufgabe: Trinkwasserbrunnen finden, zum Auffüllen meine Wasserflasche für die Fahrt. Da ich gestern zahlreiche Hähne sah, bin ich mit fast leerer Flasche losgezogen, um mir etwas Gewicht zu sparen. Gut zu wissen, dass GoogleMaps sogar auch welche anzeigen kann. Die Mapy-Offline-Karte habe ich nicht gezogen - man kann nur die Schweiz als ganzes Auswählen - 1,1GB.. Tatsächlich navigiere ich bis hierhin mit meinem Faltplan aus dem Hostel, auch mal schön!
Hier gibt's schließlich Trinkwasser! Sieht nicht so aus, aber eindeutig als solches gekennzeichnet.
Ich erreiche am Bahnhof Genf genau den Zug eine halbe Stunde früher. Umstieg in Valence, 4 min. In Biel verlässt mich der Halbstundentakt, der IC nach Basel fährt "nur" jede Stunde. In die Altstadt von Biel schaffe ich es leider nicht. Hier trotzdem 2 Impressionen. Schweizer Bahn läuft wie ein Uhrwerk - wer hätte das gedacht :-D
Kaum wieder im DB-Bereich :-(( :
Schweizer Züge haben kein WLAN, nur die Bahnhöfe. Kurz eingeloggt: Ok, der ICE fährt sehr wohl, aber erst ab Badischer Bahnhof. Wie das wohl kommt?? Als ich das lese, stehe ich schon nicht mehr vor dem Display, um darauf die S6 um 16:04 ausfindig zu machen. Auch schlau, dass die SBB das nicht auf ihr Display schreibt. Ich glaube, da will man der DB nochmal extra eins reinwürgen ;-p

Mir ist nur die Straßenbahn Linie 1 bekannt. Ich fahre schwarz, die 100 CHF hätte ich der DB im Zweifelsfall schon irgendwie abgeknöpft. 16:20 kommt die Straßenbahn an, 16:22 soll der ICE fahren. Wird knapp, klappt aber, Gott sei Dank!
Bis Offenbach kommen wir, jetzt: Voraussichtlich 1,5h Aufenthalt, Personenunfall.
Hallo Café Voyage :-D Bisschen mehr assi um diese Uhrzeit, aber immer noch besser als im wirklich stickigen ICE4 abzuhängen! Für den Nahverkehr wird SEV eingesetzt zwischen Achern und Baden-Baden. Ich werde mit 2h Verspätung Heidelberg erreichen..

Montag, 8. Dezember 2025

Pyrenäen - großer Bahnhof

Sonntag, 7.12.
Man könnte ja meinen, in Latour de Carol gäbe es das größte Bahnhofsgebäude der Pyrenäen. Weit gefehlt! Das über 200m lange Bahnhofsgebäude hier in Canfranc beherbergt inzwischen ein 5-Sterne-Hotel. Alleine gönne ich mir so einen Luxus nicht. Wer weiß, vielleicht mit Partnerin mal. Man darf immerhin ohne weiteres durch die Mitte des Gebäudes und damit durch die Lobby gehen, anders käme man vom neuen Bahnhof gar nicht direkt in die "Ortsmitte".

Ich war dagegen für die eine Nacht in der (Ski- und Wander-)Herberge, 10-Bett-Dorm :-D

Made it! Das Ding stand hoch oben auf meiner Liste.
Der neue Bahnhof :-D

Ich bin einziger Fahrgast in dem großen Bus der Linie 550, der mich 32 km nach Bedous bringt. Seit 1970 fahren hier keine Züge mehr, aber man ist seitens beider Länder bestrebt das wieder zu ändern. Die Busfahrerin hat gute Laune und gibt die ganze Zeit ein Gesangskonzert :-)

Pau - die Stadt hatte ich vorher nie gehört. Auch hier 18° und weitestgehend sonnig! Es gibt eine tolle Promenade mit grandiosem Blick "zurück" auf die Pyrenäen. In einem tollen Park chille ich eine Stunde und mache auch nochmal ein kleines Nickerchen.Zweitgrößter Flugzeug-Friedhof Europas - den habe ich also auf dieser Reise auch noch abgehakt ;-) : Tarbes. Auch viele A380, und einigen hat die Witterung schon sichtlich zugesetzt. Die werden wirklich nur noch ausgeschlachtet.
In Toulouse in 50 min Essen zu gehen (abzüglich Verspätung eher 40 min) war eher eine Schnapsidee. Zum Glück ist heutzutage ja immer "To Go" möglich, und so hat der ganze fast vollbesetzte RE nach Narbonne etwas von meinem indischen Essen :-D

Montag, 8.12.
Was haben Narbonne und Erfurt gemeinsam? 
Auflösung ganz unten. Das Hotel ist richtig oldschool. Stolz haben sie die 1-Stern-Bewertung im Flur ausgehangen. Ich habe nichts an meinem Zimmer auszusetzen, schlafe ganz ausgezeichnet und wache genau 1 min vorm Weckerklingeln auf, das muss man erstmal schaffen :-)
Im Avignon habe ich auch noch 40 min Zeit für einen kleinen Stadtrundgang:
So sollte eine Bahnhofsstraße aussehen!

Genf ist - unerwartet. Es fühlt sich absolut nicht nach Schweiz an! Es gibt offenbar eine enge Verbindung mit dem Libanon, überall begegnet einem Beirut als Name von Restaurants, Läden, Straßen. Auch gibt es 3 eriträische/äthiopische Restaurants in meinem Viertel - ich entscheide mich aber für eines südlich der Rhone, so sehe ich schon mal ein bisschen von der Stadt und habe einen Verdauungsspaziergang. Hin probiere ich allerdings die Straßenbahn aus - immerhin ist sie in der Touristenpauschale inkludiert. Es stellt sich als nervig heraus - sie hat nirgends einen eigenen Gleiskörper und steht im Stau - ich steige schon eine Station früher aus.

Narbonne:
Pont des Marchands - Krämerbrücke :-)

Samstag, 6. Dezember 2025

Kastilien - Pyrenäen

Der Zug ist ausgebucht - einmal mehr gut, dass ich am Donnerstag schon die Reservierung holen konnte. Gespräch mit Studentinnen aus Schottland: Sie sind zu 5t unterwegs, machen Auslandssemester in Salamanca, und klagen darüber, dass das Studium in Spanien 3x so anstrengend sei und sie kaum Zeit für Ausflüge (so wie heute nach Madrid) finden.Bahnhof Madrid Principe Pio - hier war ich noch nie, obwohl schon von oben, von der Seilbahn über den Casa de Campo aus, gesehen. 
Nur zwei Ecken weiter finde ich ein angenehmes Café für einen großen Kaffee, sogar frisches Brot für meinen Proviant können sie mir verkaufen.
Heute ist in Spanien Feiertag - Tag der Verfassung. Vor dem Parlament bekommt man allerdings nichts davon mit.Schön nochmal ein bisschen quer durch Madrid zu laufen.Mein Weg zum Bahnhof Puerta de Atocha führt mich zwangsläufig über den Plaza Mayor. Naja, eher anstrengend :-/
In Atocha machen sie (als Einzige) von dutzenden Gepäckchecks (Fähren,...) ihre Sache wieder gründlich und lassen sich meine Todeswaffe Obstmesser vorführen :-D

In Zaragoza habe ich 2,5h Aufenthalt, spätere Züge waren ausgebucht bzw. wären mir vom Umstieg her zu knapp gewesen. Menos mal, wie der Spanier sagen würde: Nur einen guten km vom Bahnhof gibt es den Palast Aljafería, den ich bei meinem ersten (auch ungeplanten!) Zaragoza-Aufenthalt schon entdeckt, aber zeitlich nicht mehr geschafft hatte zu besichtigen.
Man sieht gleich, das Teile aus der gleichen Epoche wie die Mauern von Ávila kommen. Allerdings ist das Bauwerk ein recht bunter Stil-Mix.Die arabischen Elemente lassen einen recht kühl, wenn man die Alhambra kennt und zuvor erst in Marokko war :-D Aber dafür gibt es noch eine große Goya-Ausstellung....und man kann einen Blick in den "Landtag" von Aragon werfen, der hier auch zuhause ist. Alles in Allem also ein lohnenswerter Zeitvertreib. Achja, außerdem hat es nochmal angehme 19°+Sonne in Zaragoza :-)

Um 20:00 angekommen in Canfranc, mitten in den Pyrenäen, habe ich trotz ausreichend Proviant wieder ordentlich Hunger und unbedingt Appetit auf eine warme Mahlzeit. Es ist hier oben natürlich ordentlich kalt und (vielleicht wegen Feiertag) sind die Restaurants alle rappelvoll und keines hat mehr Platz für mich. Ich beginne das Kaff schon lauthals zu verfluchen, bis ich im 5ten Lokal schließlich Glück und um 22:20 eine vegetarische Pizza auf dem Tisch habe - Halleluja! :-)

Freitag, 5. Dezember 2025

Ávila - Auf der Mauer auf der Lauer

Áliva ist bekannt für seine 2,5 km lange komplett erhaltene Stadtmauer. Aus welchem Jahrhundert, weiß man nicht genau - irgendwas um das 12. Wer mir die Stadt als Ziel empfohlen hat, weiß ich nicht mehr, aber ich müsste mich auf jeden Fall bedanken! Ich bin total begeistert. Ungefähr zwei Drittel der Mauer lassen sich in drei Abschnitten begehen. Auf so um die 20 der 87 Türme, die dann nochmal, je nachdem, 5-10 m höher sind, kommt man auch drauf. Von jedem ist der Blick nochmal ein bisschen anders. Außerdem gibt es an allen 3 Aufstiegen einen Audioguide auf Deutsch mit einem Sprecher mit süßem spanischen Akzent und einer Sprecherin, die sich als Teresa von Ávila, eine wichtige Heilige der katholischen Kirche aus dem 16. Jahrhundert, ausgibt und ein paar lustige Saagen parat hat. Das ganze hat 8€ gekostet - mir wären es tatsächlich 15€+5€ für den Audioguide wert gewesen. Letztendlich bin ich fast den ganzen Tag in der Stadt bzw. auf der Mauer.
Mein Hotel :-) :
Ganz oben auf den Torbogen konnte man auch:
Zum Abschluss noch zu dem Aussichtspunkt außerhalb der Stadtmauer....und eine 4km-Runde um einen Stausee. Die laute Autobahn nervt leider und es kommt die ganze Zeit kein Zug über die Brücke. Ich muss hier jedenfalls gestern (im Dunkeln) drübergefahren sein. Ávila liegt übrigens auf 1100 m Höhe, entsprechend frisch ist es hier auch (7-max. 10°).