Ich bleibe erstmal entspannt und stelle den Wecker sogar noch etwas später. 15 km in 4 h sollten bergab und ohne Pause (auf die man bei solchem Wetter gern verzichtet) gut machbar sein!
Ich schlafe top und mache mich ohne Kaffee, geschweige denn Frühstück, direkt auf den Weg. Windig! - Der Regen kommt von allen Seiten und die Nässe zieht schon nach wenigen min die Hosenbeine hoch. Schon auf dem ersten km verlaufe ich mich etwas. Als ich den Weg wiedergefunden habe wird es plötzlich nahezu windstill. Dass der Schnee liegenbleibt, sieht zwar hübsch aus, bringt aber ein anderes Problem mit sich: Es ist extrem rutschig! Ich komme nur langsam voran. Ich packe mich insgesamt 3x auf die Fresse. Es reißt ein kleines Loch in den Poncho, ansonsten passiert zum Glück nichts, nichtmal die Hose wird dreckig. Problem 2: Es donnert, und gelegentlich sind auch Blitze oder Wetterleuchten zu sehen (das lässt sich bei der aktuellen Sicht nicht genau erkennen). Die Intervalle liegen unregelmäßig zwischen 3-15 min, und das Gewitter scheint sich allmählich zu nähern.
Ich laufe noch einen km weiter. Es blitzt immer noch, ich bin in offener Landschaft und merke außerdem, wie ich langsam unterzuckere. In einer Mini-Höhle finde ich Unterschlupf und zwinge mich ein bisschen was zu essen. Die Hände sind eingefroren.
Meine Gedanken in dem Moment: Genau so sehen die letzen Fotos auf Handys von Leuten aus, die erfroren oder vom Blitz erschlagen in den Pyrenäen gefunden werden.
Es donnert eine ganze Weile nicht mehr. Bis zu dem Moment, als ich aus der Höhle steige um weiterzugehen. Das war dann aber zum Glück auch das letzte Mal. Es wird langsam heller, der Schnee lässt nach und hört schließlich ganz auf. Ich hatte längst entschieden 3 km abzukürzen und zum Bahnhof Porté-Puymorens zu gehen. Damit steigt auch wieder die Chance, den Zug um 12:15 Richtung Barcelona noch zu bekommen.Blick zurückLost Place II
Kein Zug :.-( (sondern wieder Bus)Letzter Bahnhof in Frankreich, von hier fährt theoretisch der Regionalzug bis Barcelona.Praktisch endet die Fahrt aber schon direkt am nächsten Bahnhof, wegen Defekt am Fahrzeug. :-DDer Heizkörper in der Bahnhofshalle Puigcerda wird mein bester Freund um Schuhe und Socken zu trocknen. Allerdings ist der SEV-Bus schon nach 45 min organisiert und bietet mir spannende Serpentinen und nochmal jede Menge Pyrenäen-Panorama, das ich von der Bahnstrecke aus, ganz unten im Tal und durch einen langen Tunnel, nicht gehabt hätte.
Ab Ripoll geht es für 1,5 h nochmal mit dem Zug weiter, ab La Garriga nochmal SEV. Von diesem SEV wusste ich allerdings bereits vor mehreren Wochen bei der Planung der Route. Spannend: In La Garriga muss man (gut ausgeschilderte) 700 m quer durch die Innenstadt gehen um zum Abfahrtsort der SEV-Busse zu kommen. Somit noch eine Ortsbesichtigung :-) Es sind dann nur noch 40 min bis Fabra i Puig im Norden Barcelonas, von dort noch 3 Stationen direkt bis zum Plaça Catalunya.
In Barcelona: Keine Experimente: Hostal Itaca (zum viertel Mal), Einkauf für morgen in "meinem" Bio-Supermarkt (beides wenige 100 m von der Kathedrale entfernt), Lieblings-Inder und noch ein Spaziergang zum Hafen.