Freitag, 21. November 2025

Marrakesch

Donnerstag, 20.11.
Nette morgendliche Begrüßung direkt vor der Hosteltür..
..enden aber bestimmt auch irgendwann so :-/

Ich hatte mir hier in Diabat ein Einzelzimmer genehmigt, für 19€ (davon 2€ angezahlt). Ich kann in € bezahlen, Wechselgeld bekomme ich in Dirham zurück. Den Bus nach Marakesch buche ich eben online, um kein Bargeld zu brauchen. Der Bus ist genau so eine abgerockte Bude wie von Safi. Mein Sitznachbar stinkt nach Fisch, steigt zum Glück auf halber Strecke aus. Überhaupt hält der Bus alle 5 km. Zusammen mit dem Stop and Go in Marrakesch dauert die Fahrt 4 statt der angegebenen 3 h. Supratours, das zum Bahnunternehmen ONCF gehört, soll wohl deutlich besser sein und Busfahren fast wie in Europa ermöglichen.

Ich habe ein großes Hostel gebucht, dass auch Standorte in Madrid und anderen Metropolen Europas hat. Das Gebäude und die Einrichtung sind aber nicht weniger hübsch als in meinen vorherigen Unterkünften. Gegen 19:00 holt mich Tobias "aus Fès" zum Abendessen ab. Er hat gerade den letzten Abend in Marrakesch. Schön, dass es noch klappt mit einem Wiedersehen! Er legt mir das Abendessen aus und hebt 700 Dirham für mich ab - ich paypale ihm die Summe. Damit ist meine Geldnot erstmal behoben. Vielen lieben Dank!!

Freitag, 21.11.
Marrakesch ist touristischer und teurer als alle Städte, die ich zuvor erlebt habe. Die Medina hat größtenteils breitere Gassen, aber auch weniger Charme als in Fès. Vor allem nervig: Überall wird mit Tuktuks oder Mofas durchgerast. Ich schlendere quer durch die Stadt, komme wohl oder übel am Hauptplatz (Jmaa el-Fna) vorbei....und erreiche schließlich mein Ziel, den "Cyber Park". Ich vermute, der ist von der Maroc Telecom gesponsert. Auf jeden Fall gepflegt, kostenlos und relativ groß.Granatapfel und Datteln. Beides noch nicht (bewusst) wachsen gesehen.
Überhaupt gibt es einige gepflegte und recht ruhige Parks westlich der Innenstadt.

Taxifarbe in Marrakesch: sandfarben. In Essaouira sind sie hellblau, also farblich zwischen Meknes und Rabat. .oO Ich finde, sie sollten mal ein landesweites Treffen veranstalten. Vielleicht würden sie einen Regenbogen zusammenbekommen. Aber ich glaube, das wäre hier nicht so angesagt :-D
Es gibt Busfahrerinnen und Polizistinnen, fällt mir auf.

Für 15:15 habe ich eine Walking Tour gebucht, die mir zwei Mädels aus Hamburg gestern im Bus empfohlen hatten. Der Führer lässt sich 3 Stunden Zeit, es ist kurzweilig, ich erfahre noch einge interessante Details zu Marokko: Geld für Gastfreundschaft zu nehmen ist nicht Teil der muslimischen Kultur, das haben die Europäer nach Marokko gebracht. Die Häuser sind traditionell aus Lehm. Im unteren Stockwerk mit 1 m, darüber mit 60 cm dicken Wänden. Fenster zur Gasse gibt es nicht, Schlafzimmer sind ohne Fenster. Dafür einen Innenhof. Zierpflanzen gibt es nicht. Die Marokkaner sind sehr praktisch veranlagt - nur Nutzpflanzen.
2023 hat ein krasses Erdbeben Marrakesch und Umgebung erschüttert (fast 3000 Tote). Hatte ich gar nicht mitbekommen oder nicht mehr in Erinnerung. Teilweise läuft noch der Wiederaufbau. Das führt zu einer weiteren Gentrifizierung in der Medina. Europäer können sich den Aufbau eher leisten und bauen Touri-Unterkünfte.
Marokkanisches Hammam funktioniert ganz anders als türkisches. Für Frauen ist es schicker und sie bleiben doppelt so lang drin. Das Nationalgericht "Tajine" (Eintopf aus einer Tonschale mit Deckel) wird traditionell, entsprechend lange, in der Glut der Hammam-Öfen gegart.
Hier in Marrakesch ist der echte lokale Markt klar nach Warengruppen getrennt, wie man vielleicht auch auf den Fotos sieht. Wir waren auch auf einem riesen Teppichmarkt. Angenehm, das wieder Freitag ist, viele Marktstände haben geschossen - weniger Trubel.Hiervon gab es später noch locker 15 weitere Stände.So läuft hier Brot-Massenproduktion. Man durfte sogar eines probieren!

Also ganz ehrlich: Die Marokkaner haben schon Stil! .oO Wenn ich irgendwann doch mal neureich bin und sesshaft werden will: Den gesamten Hausstand, einschließlich der Fliesen auf den Märkten in Marrakesch eingekauft, einen Seecontainer vollgemacht, am besten noch einen Designer/in aus Marokko dazu, und du hast eine wirklich! stylische Bude!! :-)

Ich schaffe es leider gar nicht mehr noch warmes Abendessen zu mir zu nehmen. Der Weg zum Bahnhof führt mich durch erstaunlich reiche moderne Viertel. Der superlauten Hauptstraße muss ich zum Glück nur den letzten km folgen. Es scheint eine O-Bus-Linie im Bau oder in Renovierung zu sein. 
Das Abteil im Nachtzug teile ich mir mit einem Schweizerisch-Vietnamesischen-Pärchen. Die vierte Liege bleibt angenehmerweise frei.

Es ist übrigens eine gute Masche kein Kleingeld zu haben: Ich habe mir heute 2x 2 Dirham für Toiletten gespart (Die sind ohnehin so abgefuckt, trotz Personal, dass man Geld bekommen sollte, dafür, dass man sie benutzen muss. An Bahnhöfen sind sie etwas besser und kostenlos!). Außerdem habe ich sogar zwei Fladenbrote geschenkt bekommen.