Ich muss der Neuseeländerin sehr dankbar sein: Sie hat zufällig eine Abkürzung zum Bahnhof entdeckt: Man kann über diese Eisenbahnbrücke gehen, ganz legal, ohne irgendwo den Gleiskörper zu betreten. Trotzdem kennen weder Google Maps noch Mapy den Weg. So sind es nur 20min Fußweg und mein Morgen ist viel entspannter :-)
Heute zum (fast) Abschluss meiner bulgarischen Bahnreisen zu meiner Freude noch eine längere Fahrt im Intercity! Einige der deutschen Intercity1-Wagen sind nach dem praktischen Aus des Intercity in Deutschland nach Bulgarien gelangt. Stunden habe ich in der Vergangenheit darin verbracht, vor allem wahrscheinlich im IC Hannover-Leipzig. Cool sie jetzt hier wiederzuerleben.
Ich bin frühen Nachmittag in Varna. Viel mehr als diese Kathedrale und den zentralen Platz hat die Stadt architektonisch nicht zu bieten.Nach einem Café-Besuch und etwas Zeit im Hostel war mein tollkühner Plan erst ins Meer zu steigen und dann Essen zu gehen. Der Strand ist 2km entfernt. Der Hunger ist aber viel zu groß. Als ich schließlich zahle, dämmert es schon. Zum Strand gehe ich trotzdem. Der ist hier schmal, laute Strandclubs reihen sich aneinander. Also sowieso nicht besonders einladend. Barfuß durch die Wellen genieße ich es trotzdem und gehe noch bis ans südliche Ende, wo eine (dauerhafte?) Kirmes aufgebaut ist.
Montag, 3.8.
Heute möchte ich Richtung Balchik, rund 40km nördlich von Varna. So weit fahren die Stadtbusse natürlich nicht. Also zum zentralen Busbahnhof. Das sind nur 1,7km - bei der Witterung/UV-Strahlung trotzdem lieber mit dem Stadtbus. Man kann nur an Automaten, an den Haltestellen oder in den Bussen, zahlen, aber nur in Bar und nur Münzgeld. Gut, eine App gäbe es auch. Als ich am Busbahnhof bin, ist es 11:40. Wie, erst 14:30 geht der nächste Bus nach Balchik? Ok, der nächste nicht ausgebuchte. Das ist wirklich zu spät. Ich buche für morgen 10:30 und entscheide mich heute einen Strandtag zu machen - aber bitte an einem ruhigen Strandabschnitt weit außerhalb. Dafür leihe ich mir beim Hostel ein (das? - ich sehe kein anderes) Fahrrad. Das klappt gut und ich bin rundum zufrieden. Ärgerlich nur, dass ich etwas zum Lesen vergessen habe. Auf dem Rückweg besuche ich noch die Ruinen eines römisches Thermalbades (2.-3.JH). Mit über 7000qm einer der 4 größten derartigen Komplexe, die man gefunden hat. Das sind durchaus Dimensionen, wie sie ein neuzeitliches Thermalbad hat. Hier ein Foto, leider nur durch den Zaun, als Nachtrag (Am Montag zum Strand war ich nur mit Bargeld und sonst nichts unterwegs.)
Dienstag, 4.8.
Am Einlass soll ich beim ersten Kassenhäuschen 10€ bezahlen "für den botanischen Garten", am zweiten nochmal 10€ "für den Palast". Ich versuche es zu hinterfragen, aber da lässt sich wohl nichts machen, das scheint offiziell so zu sein.Das ist keine Moschee, die fanden ein Minarett nur architektonisch schick.Später stelle ich fest: Den Palast gibt es gar nicht: Das sind einfach die verschiedenen im Garten verteilten Villen. Na gut, ein riesen Gebäude zu besichtigen hätte ich jetzt eh nicht mehr unbedingt gebraucht, immerhin bin ich schon fast 3h in dem Garten unterwegs.
Um 15:00 soll es einen Bus geben, der mich bis 3,5km vor Kranevo bringt, von wo aus ich Richtung Varna zurückwandern möchte. Was soll ich sagen - mal wieder ein Busfahrplan, der nur Schall und Rauch ist. Eine Haltestelle weiter, 40 min später, kommt zum Glück gerade die Marschrutka nach Varna vorbei, die mich direkt nach Kranevo bringt, umso besser. Im Dorfladen gibt's sogar bulgarisches alkoholfreies Bier!
Am Stadtrand von Varna, eigentlich noch ein Vorort (10km vom Zentrum) ist tatsächlich die Endhaltestelle der Stadtbusse. Der Bus, den ich gerade bekomme, spuckt mich letztlich um kurz vor 21 Uhr nahe des Hostels aus. Mein Abendessen: Einfach mal Pasta in der Hostelküche.
Mittwoch, 5.8.
Ausschlafen, Auschecken. D. h.: Das Zimmer räumen. Ich bleibe noch bis 15:00 im Innenhof des Hostels, unterm Sonnenschirm. Dann gehe ich in ein "grünes" Bistro, das mir vorgestern schon aufgefallen war, das aber nur bis 17:00 geöffnet hat. 18:15 geht mein Zug, ich bin ausnahmsweise 45min vorher am Bahnhof, bewundere wie viel Personal man zur Abfertigung eines 2-Wagen-Zuges benötigt und genieße nochmal ausgiebig die bulgarische Eisenbahn-Romantik. In meinem Abteil: Zwei ältere Damen mit ihren 3 Enkeln. Der jüngste, 7,5, spricht beeindruckend gut Englisch"Holy Crap" "Look, Bro" :-D und verreinahmt mich völlig für sich, inkl. Fotos ihres aufregenden Ausflugstages in Varna Gucken und Handy-Spiel Spielen.