Dienstag, 11. August 2026

Der Berg ruft

Montag, 10.8.
So sah er aus, der Blick, der mich gestern Abend empfangen hat. Es ist das Bucegi-Gebirge, die östlichste der vier bedeutenden Gebirgsgruppen in den Südkarpaten.Klar, dass ich da heute rauf will/muss.
Das sind 1200-1400 Meter Höhenunterschied. Besser die Gondel. Die ist hier mal so richtig retro und wird in 2 Jahren 50. Gebaut in Milano.
Man kann für den Rückweg gut eine andere Seilbahn, 6-7km südlich, nach Sinaia, nehmen. Dort hat man neben die historische, gleiche Bauart wie die von Bușteni, eine moderne mit vielen kleinen Gondeln gebaut, die sich in zwei Abschnitte teilt. Jetzt im Sommer ist nur die moderne in Betrieb. Ich denke im Skibetrieb laufen regelmäßig beide.
Es sieht auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär aus hier oben, fast wie eine Mondlandschaft.Gut, ein paar interessante Felsformationen gibt es.Das ist mal ein Kreuz! Zur Zeit des Sozialismus wurde erwägt, beide Arme abzumontieren :-DDabei ist es nicht mal ein Gipfelkreuz! Hier ist der Gipfel (2384m) und zugleich höchster Punkt meine Reise.

Dienstag, 11.8.
Nochmal das gleiche, auch nach Sinaia, nur "eine Ebene" tiefer. Nicht mal 1km von meiner Unterkunft entfernt liegt in Bușteni das Schloss Cantacuzino. Es wurde 1911 von der gleichnamigen Adelsfamilie, die byzantinische Wurzeln hat, erbaut. Einer der Cantacuzinos war auch Ministerpräsident Rumäniens. Die Besichtigung samt Führung kostet 18€. Aber wenn man schon mal hier ist.. Die weiteren Schlösser, die ich heute noch mitnehmen möchte, sind Mo+Di ohnehin nicht geöffnet.
Erstmal weiter unten durchs Tal, dann einen wunderbaren Waldpfad so einige Hohenmeter hinauf. Ich hatte mir eine Berghütte erhofft. Bei Mapy war etwas eingezeichnet. Eher Wunschdenken - tatsächlich ist alles tot. Kein Wunder, bin ich auch nur einer handvoll anderen Menschen begegnet. Aber zwei schöne Aussichtspunkte gibt es, auf markanten Felsvorsprüngen.
Für die doch recht anstrengende Wanderung habe ich zu wenig Proviant mit. Also am Ortsrand von Sinaia gleich ins nächstbeste Lokal und ein frühes Abendessen. Die nächsten beiden Schlösser, aus dem 19. Jahrhundert:
Pelișor, für die Prinzenfamilie gebaut....und das Hauptschloss und eines der bekanntesten in Rumänien: Peleș
Praktisch, dass man von hier immer in wenigen min mit dem Zug zurück nach Bușteni kommt. Selbst der Nachtzug Bukarest-Wien hält hier übrigens.

Sonntag, 9. August 2026

Dobrudscha und Walachei

.. sind die historischen Namen der Regionen von Constanta und Buzau.

Samstag, 8.8.
Das Hostel (im Übrigen das einzige in Constanta) liegt 3,5km entfernt von der Altstadt, die sich auf einer Halbinsel befindet. Da nehme ich doch gerne das Angebot wahr, mir eines der zahlreichen Hostel-Fahrräder zu leihen. Ich hatte einen entspannten Vormittag, so dass es inzwischen 12Uhr ist: Ein kleines Hüngerchen ist schon wieder da. Ich hatte eh mit dem Gedanken gespielt das Brunch-Angebot in dem veganen Restaurant von gestern auszuprobieren. Im Restaurant lerne ich eine andere Alleinreisende kennen: Ramona, sie lebt in Rumänien, aber gehört zu einer großen Gruppe Ungarn (Szekler), die in einem bestimmten Teil Rumäniens lebt. Ihre Online-Beiträge sind dementsprechend auf Ungarisch. Davon gibt es viele, sie hat nämlich u. a. einen professionellen YouTube-Kanal zu Achtsamkeit und seit kurzem auch zu Veganismus. Leider ist ihr Constanta-Aufenthalt gerade zu Ende und sie muss sich unmittelbar auf die Heimreise machen. Nun beginne ich aber wirklich meine Stadtrundfahrt auf zwei Rädern.
Nach dem Innenstadt-Besuch fahre ich noch in den Stadtteil Mamaia, ganz im Norden. Super touristische Ecke - es kommt mir ein bisschen vor wie die Playa de Palma Rumäniens.
Nach einem frühen Abendessen in einem anderen, vegetarischen Restaurant (eher Bistro), auch "bei mir" um die Ecke, mache ich wieder einen abendlichen Strandbesuch und koste mein letztes Bad im Schwarzen Meer nochmal richtig aus.

Sonntag, 9.8.
7:36 geht mein Zug, aber ich komme gut aus dem Bett und "meine" Buslinie 5-40 (nein, das heißt nicht, dass man 36 Linien zur Auswahl hat :-D ) fährt auch sonntagmorgens alle 10min. Top!
Die Verbindungssuche der CFR (Rumänische Bahn) kennt kein "via". Aber es ist klar, dass ich über Buzau (rund 100.000EW) reisen muss, wenn ich nicht über Bukarest möchte, um in die Karpaten zu kommen. Ich hatte ursprünglich nach dem höchstgelegenen Bahnhof Rumäniens gesucht: Predeal, auf 1035m. Hintergedanke: Schön kühle Temperaturen :-) Eine Unterkunft nach meinem Geschmack und Budget habe ich dann aber in Bușteni, etwa 10km südlich, gefunden. Auch Ok.
Buzau gefällt mir gut: Moderne saubere öffentliche Plätze und Parks, viele kleine Bäckereien und Bistros. Sogar Nextbike!-Leihräder gibt es. Ich bin ganz froh tatsächlich meinen Rückweg zum Bahnhof mit einem davon zeitlich verkürzen zu können. 2h habe ich hier verbracht.Und ein interessantes geografisches Feature hat die Stadt zu bieten: The largest city in Europe and the 2nd in the world placed exactly at half the distance between the North Pole and the Ecuator. Dazu gibt es sogar ein "Denkmal":
Der zweite Umstieg ist dagegen im Nirgendwo südlich von Ploiești, aber dort habe ich eh nur 30min.
Auf der Bahnstrecke durch die Karpaten (der zentralen Nord-Süd-Strecke Rumäniens) ist einiges los: Mein Zug ("Regionalbahn") wird von mehreren schnelleren Zügen überholt, mit knapp 30min Verspätung zur Folge.
Eine grandiose Bergkulisse empfängt mich hier! Ich freue mich jetzt schon, dieses Ziel gewählt zu haben.

Freitag, 7. August 2026

Rumänien via Donau-Kleinstädte

(weiter) Mittwoch, 5.8.
Noch nie so einen dunklen Bahnhof erlebt: Die Scheinwerfer meines Zuges sind die einzigen Lichter, die die Bahnhofshalle des sozialistischen Empfangsgebäudes von Silistra erhellen (Foto vom nächsten Tag). Praktisch, dass es nur 400m zu meinem Hotel sind.

Von Varna nach Constanta (das zweite t hat einen Unterstrich und wird damit zum z) entlang der Schwarzmeerküste wären es nur 150km gewesen, mit dem Bus! Langweilig! Lieber nochmal eine 400km-Runde durch das Inland mit dem Zug. 15km Bahnstrecke sind durch die Donau unterbrochen.

Donnerstag, 6.8.
Silistra wurde 29 n. Chr. von den Römern als Durostorum gegründet. Der slawische Name: Drastar. Warum die Stadt ihren türkischen Namen behalten hat, keine Ahnung. Heutzutage leben hier 27.000 Menschen.
Das Hotel war ausgesprochen günstig, daher habe ich mir gleich 2 Nächte gegönnt. Ich mache Chill-Tag im klimatisierten Hotelzimmer, zwischendurch kurzer Einkauf im benachbarten Kaufland. 18:00 starte ich schließlich einen Stadtrundgang und finde nach dem Abendessen sogar den perfekten Platz zum Sonnenuntergang über der Donau.

Freitag, 7.8.
Ich dachte, ich werde die Grenze nach Rumänien auf dem Wasser (Donaufähre) überqueren. Tatsächlich biegt die Grenze aber genau hier leicht südlich ab und folgt zum Schwarzen Meer nicht mehr dem Verlauf der Donau. Es gibt also einen klassischen Straßen-Grenzposten, der auch noch besetzt ist. Die rumänische Zöllnerin stellt Fragen und nimmt meinen Pass unter die Lupe. Also brechen nicht nur wir Deutschen das Schengen-Abkommen. Allerdings sind Rumänien und Bulgarien erst seit anderthalb Jahren im Schengen-Raum.
Auf einer Website zu der Fähre stand "Plattform". Ich dachte das ist bestimmt ein Übersetzungfehler, aber seht selbst :-D
Da die linke "Plattform" außer Betrieb genommen wurde (ich glaube die Kassiererin hat etwas von Motorschaden gesagt) stehen dutzende Autos in der Schlange. Jedes Dritte mit deutschem Kennzeichen! Darunter aber auch 2 Jungs aus Kärnten mit einem bald 40 Jahre alten Toyota-Kombi, mit dem sie schon 3000km durch den Balkan abgespult haben.
Ich bin als Fußpassagier natürlich fein raus und kann auf die nächste Fähre.
Eine riesen Kuhherde nimmt ein Bad in der DonauCool, neben mir steht ein Auto mit Hannover-Kennzeichen, ein modernes Volvo-SUV. Schließlich traue ich mich den Herren anzusprechen. Natürlich mit Hintergedanken ;-) : Die ersten 5km vom Fähranleger Richtung Călărași, der Stadt mit dem nächsten Bahnhof, durchs Nichts entlang der Landstraße, möchte ich nun echt nicht gehen. Der SUV-Besitzer wohnt seit zwei Jahren in Anderten und fährt Lkw bei einer deutschen ("und nicht türkischen", wie er betont) Spedition, meist zwischen Hannover und Berlin. Seine Frau und er reisen jetzt nonstop durch bis Hannover! Rumänien wollen sie in 6h hinter sich gelassen haben. Sein Deutsch ist trotzdem nicht gut genug verstanden zu haben, dass er mich gleich beim ersten Abzweig hätte rauslassen sollen. Dann eben mit Translate. Der nächste Abzweig von der Umgehungsstraße nach Călărași liegt 6km nördlich vom Zentrum. Es hat mir trotzdem unglaublich geholfen. Erstmal 2,5km zu Fuß. Petrus spielt mal wieder mit und es ist leicht bedeckt - keine pralle Sonne. Auch super: Ab dem Stadtrand gibt es eine Buslinie. Ich habe logischerweise noch keine rumänischen Lei, die die Schaffnerin im Bus haben möchte. Freundlich lächelnd gibt sie sich aber auch mit meinen zwei 50Cent-Stücken zufrieden. Jetzt habe ich sogar noch etwas Zeit die ruhige, grüne, moderne Innenstadt zu erkunden.
Strandbad an einem Seitenarm der Donau

Constanta: Geil, endlich ist man als Fußgänger nicht mehr wie ein Kaninchen eingesperrt, sondern darf "einfach so", Vollbremsungen und Auffahrunfälle verursachend, vollkommen waghalsig über die Straße ;-) Die Bulgaren wären wahrscheinlich hoffnungslos überfordert. Sorry :-D ( Anspielung auf Link (2. Absatz))
Beim Gang zum ersten abendlichen Bad im Schwarzen Meer: Direkt den Lieblingsplatz entdeckt: Veganes Restaurant, nur 700m vom Hostel :-)

Mittwoch, 5. August 2026

Varna - Holy Crap

Sonntag, 2.8
Ich muss der Neuseeländerin sehr dankbar sein: Sie hat zufällig eine Abkürzung zum Bahnhof entdeckt: Man kann über diese Eisenbahnbrücke gehen, ganz legal, ohne irgendwo den Gleiskörper zu betreten. Trotzdem kennen weder Google Maps noch Mapy den Weg. So sind es nur 20min Fußweg und mein Morgen ist viel entspannter :-)
Heute zum (fast) Abschluss meiner bulgarischen Bahnreisen zu meiner Freude noch eine längere Fahrt im Intercity! Einige der deutschen Intercity1-Wagen sind nach dem praktischen Aus des Intercity in Deutschland nach Bulgarien gelangt. Stunden habe ich in der Vergangenheit darin verbracht, vor allem wahrscheinlich im IC Hannover-Leipzig. Cool sie jetzt hier wiederzuerleben.

Ich bin frühen Nachmittag in Varna. Viel mehr als diese Kathedrale und den zentralen Platz hat die Stadt architektonisch nicht zu bieten.Nach einem Café-Besuch und etwas Zeit im Hostel war mein tollkühner Plan erst ins Meer zu steigen und dann Essen zu gehen. Der Strand ist 2km entfernt. Der Hunger ist aber viel zu groß. Als ich schließlich zahle, dämmert es schon. Zum Strand gehe ich trotzdem. Der ist hier schmal, laute Strandclubs reihen sich aneinander. Also sowieso nicht besonders einladend. Barfuß durch die Wellen genieße ich es trotzdem und gehe noch bis ans südliche Ende, wo eine (dauerhafte?) Kirmes aufgebaut ist.

Montag, 3.8.
Heute möchte ich Richtung Balchik, rund 40km nördlich von Varna. So weit fahren die Stadtbusse natürlich nicht. Also zum zentralen Busbahnhof. Das sind nur 1,7km - bei der Witterung/UV-Strahlung trotzdem lieber mit dem Stadtbus. Man kann nur an Automaten, an den Haltestellen oder in den Bussen, zahlen, aber nur in Bar und nur Münzgeld. Gut, eine App gäbe es auch. Als ich am Busbahnhof bin, ist es 11:40. Wie, erst 14:30 geht der nächste Bus nach Balchik? Ok, der nächste nicht ausgebuchte. Das ist wirklich zu spät. Ich buche für morgen 10:30 und entscheide mich heute einen Strandtag zu machen - aber bitte an einem ruhigen Strandabschnitt weit außerhalb. Dafür leihe ich mir beim Hostel ein (das? - ich sehe kein anderes) Fahrrad. Das klappt gut und ich bin rundum zufrieden. Ärgerlich nur, dass ich etwas zum Lesen vergessen habe. Auf dem Rückweg besuche ich noch die Ruinen eines römisches Thermalbades (2.-3.JH). Mit über 7000qm einer der 4 größten derartigen Komplexe, die man gefunden hat. Das sind durchaus Dimensionen, wie sie ein neuzeitliches Thermalbad hat. Hier ein Foto, leider nur durch den Zaun, als Nachtrag (Am Montag zum Strand war ich nur mit Bargeld und sonst nichts unterwegs.)

Dienstag, 4.8.
Am Einlass soll ich beim ersten Kassenhäuschen 10€ bezahlen "für den botanischen Garten", am zweiten nochmal 10€ "für den Palast". Ich versuche es zu hinterfragen, aber da lässt sich wohl nichts machen, das scheint offiziell so zu sein.Das ist keine Moschee, die fanden ein Minarett nur architektonisch schick.Später stelle ich fest: Den Palast gibt es gar nicht: Das sind einfach die verschiedenen im Garten verteilten Villen. Na gut, ein riesen Gebäude zu besichtigen hätte ich jetzt eh nicht mehr unbedingt gebraucht, immerhin bin ich schon fast 3h in dem Garten unterwegs.

Um 15:00 soll es einen Bus geben, der mich bis 3,5km vor Kranevo bringt, von wo aus ich Richtung Varna zurückwandern möchte. Was soll ich sagen - mal wieder ein Busfahrplan, der nur Schall und Rauch ist. Eine Haltestelle weiter, 40 min später, kommt zum Glück gerade die Marschrutka nach Varna vorbei, die mich direkt nach Kranevo bringt, umso besser. Im Dorfladen gibt's sogar bulgarisches alkoholfreies Bier!
Am Stadtrand von Varna, eigentlich noch ein Vorort (10km vom Zentrum) ist tatsächlich die Endhaltestelle der Stadtbusse. Der Bus, den ich gerade bekomme, spuckt mich letztlich um kurz vor 21 Uhr nahe des Hostels aus. Mein Abendessen: Einfach mal Pasta in der Hostelküche.

Mittwoch, 5.8.
Ausschlafen, Auschecken. D. h.: Das Zimmer räumen. Ich bleibe noch bis 15:00 im Innenhof des Hostels, unterm Sonnenschirm. Dann gehe ich in ein "grünes" Bistro, das mir vorgestern schon aufgefallen war, das aber nur bis 17:00 geöffnet hat. 18:15 geht mein Zug, ich bin ausnahmsweise 45min vorher am Bahnhof, bewundere wie viel Personal man zur Abfertigung eines 2-Wagen-Zuges benötigt und genieße nochmal ausgiebig die bulgarische Eisenbahn-Romantik. In meinem Abteil: Zwei ältere Damen mit ihren 3 Enkeln. Der jüngste, 7,5, spricht beeindruckend gut Englisch"Holy Crap" "Look, Bro" :-D und verreinahmt mich völlig für sich, inkl. Fotos ihres aufregenden Ausflugstages in Varna Gucken und Handy-Spiel Spielen.
Nach 2h muss ich mich verabschieden, weiter geht's (im Dunklen) 3h im Dieseltriebwagen, auch 2nd-Hand aus Deutschland.