Donnerstag, 30. Juli 2026

Sofia gemütlich mit Rad

(weiter) Dienstag, 28.7.
Die BDZ - Bulgarische Bahn - bringt mich wieder pünktlich ans Ziel: Sofia. 18:00, angenehme Ankunftszeit. Da kann man erstmal duschen, dann abendessen gehen. Ein vegetarisches Lokal in 1,5km Entfernung: So lerne ich nebenbei schon ein bischen die Innenstadt kennen und finde auf dem Rückweg zufällig einen Bike Rental Store. Gut, dann steht ja mein Plan für morgen. :-)

Mittwoch, 29.7.
Bevor es zum Fahrradverleih ging, jedoch erstmal Geld abheben. Bulgarien hat übrigens extra für mich am 1.1.26 den Euro eingeführt ;-) In die ehemalige Markthalle hat sich doch allen ernstes ein Kaufland! eingenistet :-D
Beste Beschäftigung bei 31° in der Großstadt: Gemütlich auf 2 Rädern durch die großen Parks/Stadtwälder in Sofias Süden/Südosten cruisen. Es ist ja nicht so, dass die Stadt nennenswerte Rad-Infrastruktur hätte, aber ich bin tatsächlich mehr im Grünen unterwegs als auf Autostraßen, und auf den Fußgängerwegen in den Parks ist so wenig los, dass sich niemand gestört fühlt, wenn ich sie als Radweg missbrauche.

Donnerstag, 30.7.
13:15 geht mein Zug nach Veliko Tarnovo. Ich wollte es ruhig angehen und das Hostel vorher gar nicht erst verlassen. Allerdings ist es offiziell nicht erwünscht, dass man da nach dem Check-out 11:00 noch "herumlungert". :-D Nachdem ich erfahre, dass man alle Verkehrsmittel direkt mit Kreditkarte bezahlen kann, steht einer kleinen Öffi-Runde nichts im Wege: 5 km mit der Tram in den Südwesten, mit einer anderen Linie zurück, die mich in die Nähe des Hbf bringt.Eine Station mit der U-Bahn liegt sogar auch noch auf meinem Weg.
6h mit 10-minütigem Umstieg dauert die Zugfahrt. Die letzten 2h bin ich wirklich im Balkan, d. h., ich fahre durchs Balkan-Gebirge, an dessen Nordrand Veliko Tarnovo liegt.

Dienstag, 28. Juli 2026

Im Auftrag des König

Ja, ohne S :-D

(weiter) Sonntag, 26.7.
Wir telefonieren 45 min. Gerade als wir das Telefonat beenden, kommen 2 Typen zurück zu ihrem Auto an der Tankstelle: Ein alter großer Nissan-Geländewagen mit Aufschrift www.im-auftrag-des-könig.de auf der Front- und Heckscheibe. (Versucht's gar nicht erst - die URL gibt es nicht (mehr).) Vermutung: Der Wagen gehörte früher einer deutschen Handwerker-Firma König. Ich erlebe ständig, dass die ursprünglichen deutschen Aufschriften bei den importierten Fahrzeugen einfach dran bleiben :-D
Die zwei Typen nehmen mich jedenfalls gerne mit nach Rila. Endlich! Hostelvater Viktor (Alter: 35-40?) wartet schon auf mich. Das Reihenhaus an der Hauptstraße hat er in 8-jähriger Handarbeit von einer Ruine zu einem Kleinod gemacht.Hinten gibt es einen Garten mit einer weiteren überdachten Küche, der vom 1. Stock aus erreichbar ist und sich auf 2 Ebenen verteilt.
Unmittelbar nach mir kommen Fatima und David im Hostel an, ein Pärchen aus Barcelona. Wir sehen uns in einem Lokal zum Abendessen wieder. So viel Auswahl an Restaurants gibt es nicht - Rila ist das Gegenteil von Bansko :-D
David ist übrigens der Capri Sun - Außendienstler für ganz Spanien, dementsprechend war er schon mal in Eppelheim :-D

Montag, 27.7.
Der Wecker geht um 6:45: 7:40 fährt der Bus zum Rila-Kloster, dass sich 20km entfernt befindet. Ich habe schlecht geschlafen (vermutlich vor allem wegen übertriebenem Abendessen). Dementsprechend komme ich wirklich nicht hoch und schalte den Wecker aus. Laut Fahrplan am Busbahnhof gibt es um 12:40 auch einen Bus zum Kloster. Ok, vorher schaffe ich eine Runde, die Viktor mir empfohlen hatte, am östlichen Ortsrand. Hier gibt es Felsen mit Aussichtspunkten. Auf den höchsten schaffe ich es nicht: Eine Schafherde mit 3 Hütehunden. Die kläffen schon aus der Ferne arg unfreundlich. Also lieber kehrt machen.Auf der anderen Seite des Tals gibt es eine Schlucht mit Wasserfällen. Es erinnert mich etwas an Samothraki, nur dass es hier einen markierten Wander-/Kletterweg gibt und alles eine Dimension kleiner ist. Aber Spaß macht es allemal!
12:40: Oh Wunder, kein Bus. Einkauf im (kleinen) Supermarkt und Mittagspause im Hostel. 15:00: 3. Versuch: Auch kein Bus. Also zweiter Plan B für heute: Die Erdpyramiden von Stob. Stob ist das nächste Dorf (6km). Den Hinweg kürze ich mit dem Bus Richtung Blagoevgrad ab, der dort auch hält.
Ich habe jetzt einen Zimmergenossen, Silvio aus Hamburg, der morgen auch zum Kloster möchte.

Dienstag, 28.7.
Geteiltes Leid ist halbes Leid und wir kommen morgens gut raus.Wir brauchen eine Stunde für den Außenbereich, Kirche und Museum. Und nun? Silvio verabschiedet sich und wandert zu einer Berghütte auf 2300m Höhe, um morgen zu den Sieben Seen aufzubrechen. Ich nehme einen anderen schönen Wanderweg, der nach 300 hm (auf 1500m) mit einem Aussichtspunkt aufwartet - leider ohne Ausblick auf das Kloster. Eigentlich genial so früh am Kloster gewesen zu sein, später um 11:00 sieht es so aus:Das bedeutet für mich aber: Größere Chance auf eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Rila. Die Busse nehmen hier offenbar keine "blinden Passagiere" mit. Es sind immer noch mehr Leute, die erst angekommen, statt sich auf den Rückweg zu machen. Schließlich Mann und Frau mit zwei Teenagerinnen (12+16). Schwestern sind es nicht. Ich vermute, es sind zwei Familien, die in getrennten Autos unterwegs sind. Die ältere der beiden dolmetscht jedenfalls, so wird es eine recht unterhaltsame Fahrt. Sie kommen aus Burgas.

14:00-Bus nach Blagoevgrad, Zentrum der Region und Busstation direkt am Bahnhof an meiner Strecke nach Sofia. Laut Fahrplan gibt es einen. Denkste!
So, ihr Penner, dann wird jetzt erstmal der Fahrplan korrigiert, mit meinem schönen Hansaplast :-D (unten: alt)Also "das Übliche": In der prallen Sonne die Hauptstraße Richtung westlichem Ortsausgang entlang. Hier gibt es eine Tankstelle. Zum Glück: Noch vor der Tankstelle hält ein alter Opel Meriva (Rechtslenker), der Fahrer, ein älterer Herr, stellt sich als Iwan vor. Klimaanlage läuft, um diese Uhrzeit Gold wert. Vom Ortszentrum Kocherinovo sind es noch 2,5km zu dem bekannten Bahnhof im Nirgendwo, weitestgehend bergab. Ich habe sogar noch eine Stunde Zeit diese zu wandern - entspannt. Die Bahnhofskatze freut sich auch über meine frühzeitige Ankunft ;-)

Sonntag, 26. Juli 2026

RPPS 760mm Bansko Pirin

Freitag, 24.7.
Die Lage ist eindeutig: Die Haut rund um meinen Zeckenbiss (noch aus Armenien) ist eskaliert. Borreliose. Antibiotikum muss her. Einfach zu einem Arzt in Bulgarien? No Chance. Notaufnahme vom Krankenhaus in Burgas? Eine Urlaubserfahrung, die ich mir nicht wirklich geben muss. Mein Hausarzt in Heidelberg bzw. seine Sprechstundenhilfe unterstützen sogar, und das freitags 12:30: Ich bekomme ein Fotos eines gedruckten Rezeptes per Mail. Aber auch damit will mir die Apotheke in Sarafovo nichts aushändigen: "Das Rezept muss von einem bulgarischen Arzt sein." Parallel hatte ich einen Online-Arzt gebucht. Der schickt mir schließlich ein "EU-Rezept" mit RPPS-Nummer: Das akzeptieren die Apothekerinnen.
18:00 nehme ich schließlich noch den Bus nach Burgas, erkunde die Stadt mit Hafen und Strand und gehe abendessen, als es bereits dunkel wird.
Bulgarien: Überall diese nervigen hunderte m langen Fußgänger-Sperren. (In Sofia setzt sich das fort.) Die spinnen doch! :-( Schon aus Prinzip quere ich zum Teil trotzdem dort - kein Hindernis für Backpacker.

Samstag, 25.7.
Weiter ins Landesinnere Bulgariens. Bis vor ein paar Tagen noch nichtsahnend habe ich die Rhodopenbahn gebucht, für die zweite Hälfte meiner heutigen Strecke. 119km auf einer Schmalspurbahn: Spurweite: 760mm (zum Vergleich: DB & Co., Mitteleuropa: 1435mm, rnv: 1000mm). Also eigentlich nicht viel größer als eine Lehmann-Garten-Bahn :-D
Aber hey, bequeme Wagen, sogar mit Steckdosen. Meine Fahrt darin dauert aber auch 4,5h :-D Auf einem Abschnitt: Schleifen und Kehrttunnel wie auf der Šargan Eight in Serbien, nur dass die Züge hier im Regelbetrieb fahren und auch von Einheimischen ganz gut genutzt werden! Pünktlich 17:00 sind wir in Bansko. Ein Wintersport-Ort. Sehr touristisch, aber hübsche Architektur. Auch jetzt im Sommer ist gut etwas los.
Es gibt die Tage auf dem Hauptplatz sogar ein kleines kostenloses Rockfestival!

Sonntag, 26.7.
Irgendwie muss ich natürlich noch in die Berge, konkret, dass Pirin-Gebirge. Um 8:30 gibt es einen Bus (Mercedes Sprinter), der wanderfreudige Touris für 8€ bis zur höchsten per Straße zu erreichenden Hütte bringt. Himmel, ist hier was los! Der Straßenrand ist schon einen km vorher zugeparkt.Aus Zeit- und Gesundheitsgründen habe ich eine kleine Runde vorgesehen, nur etwa 1km bergan....dann 5 km gemütlich abwärts, zur Bergstation einer Seilbahn. Die überbrückt gar nicht mal so viele Höhenmeter, aber immerhin 6km Luftlinien-Distanz. Dass die Einzelfahrt mit 24€ nur 3€ weniger kostet als hin und zurück finde ich schon ein bisschen frech. Aber das war die absolut praktischste Lösung um wenigstens 2,5h dieses Gebirge zu erleben.
Nächstes Ziel der Reise: Rila. Dazu erstmal westlich runter in das Tal des Flusses Struma. Darin verläuft auch die Bahnlinie Petrich-Sofia.
Bansko hat keinen Busbahnhof. Ich plane von Anfang an mit Trampen, auch wenn es 40km sind. An der ersten Haltebucht an der Ausfallstraße, noch mitten im Ort, hält ein junges Pärchen mit einem neuen kleineren Ford SUV (vermutlich Mietwagen). Grund ihres Stops: Sie versuchen gerade Smartphone und Auto zu koppeln, um bequem navigieren zu können. "Naja, steig erstmal ein." Ein Fussel im USB-Port scheint die Fehlerursache zu sein. Sie haben keinen spitzen Gegenstand. Ich aber! .oO War da nicht irgendwo eine Sicherheitsnadel? Problem behoben, Navi läuft, wir sind ein Team. :-) An einer Tankstelle laden sie mich sogar noch auf einen Kaffee ein <3
Die beiden, 23+28, aus Bulgarien, leben seit 4 bzw. 10 Jahren in Aarhus ("da kann man gut studieren") und sind gerade für 2 Monate in Bulgarien.
Ich muss noch 2 km zum Bahnhof Simitli laufen. So sehen da Innenstadt (oder -dorf?) und der Bahnhof! aus.
30 min Zug bis Kocherinovo. Was ich mir dabei wohl gedacht habe, an diesem Bahnhof auszusteigen?!Er ist 2,5 Fuß-km bzw. 3,5 Auto-km vom Ort entfernt. Von Kocherinovo sind es nochmal 7,5km bis zu meinem Endziel Rila.
Menschenleer ist der Bahnhof nicht: Natürlich die Bahnhofsvorsteherin, und zwei junge Französinnen, die seit 1h darauf warten von ihren Wwoofing-Farm-Leuten abgeholt zu werden. 
Ich trete den Fußweg an: Die Landstraße am Talrand entlang, zum Abzweig nach Kocherinovo und Rila. Am Abzweig nimmt mich direkt ein älterer Herr im B-Corsa die 2km bis Kocherinovo-Ortskern mit. Erstmal ein Eiskaffee. Dann weiter Richtung östlichem Ortsrand. Niemand stoppt. Eine Tankstelle: Nichts los. Schließlich lande ich an diesem Ort, in Google Maps als Junk Museum eingetragen. :-D
Gegenüber kann ich mich hinter einer grünen Blechhütte vor der sengenden Sonne verstecken, wenn gerade kein Auto in Sicht ist. 6,5 km sind es noch. Aber bei der Witterung immer an der schnurgeraden Landstraße entlang - echt nicht.
Nach 45 min rufe ich einen Kumpel an. Während unseres Telefonats gehe ich zurück zur Tankstelle.

Donnerstag, 23. Juli 2026

30 min Fähre statt 51 Stunden

Mittwoch, 22.7.
Ich habe nur einen weiteren Mitreisenden im 4er-Abteil. Die ersten 2h war ich gar ganz allein. Ich wache genau in Kayseri auf, hier war ich am 19.6. ausgestiegen um nach Kapadokien zu kommen. Verspätung: Schätzungsweise 3h.
Interessant, wie sich die Landschaft über einen Monat verändert hat: Es ist viel trockener geworden. Dafür blühen die Sonnenblumen, von denen es hier jede Menge gibt. Später: Überall frisch abgeerntete Kornfelder. Im Juni waren sie noch fast grün.
Bis Ankara hat sich die Verspätung auf 5h summiert. Es ist etwas unklar, wie das zustande kommt. Eigentlich steht der Zug nirgends lange rum. Er fährt einfach nur unglaublich langsam :-D
Mich stört es nicht, im Zug ist es ruhig und klimatisiert. Mein Proviant reicht auch noch für ein Mittagessen.
Und: Trotzdem ist es heute noch früh genug für das Anitkabir - Atatürk-Mausoleum. Den Weg kenne ich schon und meinen Rucksack bewahren sie am Einlass kostenlos auf. Das ist gut: Man legt standardmäßig 1,7km Fußweg auf dem Gelände zurück. Das Mausoleum und die benachbarten Bauten haben einen Keller. Darin: Ein großes Museum. Der Sarkophag ist übrigens nur symbolisch, der Leichnam befindet sich zwar dort irgendwo, jedoch versteckt in einer Krypta.Zurück zum Bahnhof nehme ich nicht die Metro (man fährt nur 1 Station), sondern gehe zu Fuß, ich möchte eh noch Abendessen. Ich einem 24h-Lokal werde ich wieder herzlich umsorgt.

Donnerstag, 23.7.
Es hat absolut sein Gutes, dass ich nun doch noch zufällig nach Istanbul komme: Hier wohnt Betül, der ich mein Zimmer in Heidelberg während meiner Interrail-Marokko-Tour im November untervermietet hatte. Da sie noch einige Monate länger in Heidelberg war und sie sich gut mit der WG angefreundet hat, haben wir uns auch persönlich kennengelernt.
Betül hat heute Vormittag Zeit und nimmt extra den langen Weg von ihrem Stadtteil, im Norden der europäischen Seite, auf sich, um mich direkt am Hostel abzuholen. <3 Wir gehen hier in Kadiköy frühstücken und nehmen anschließend die Fähre nach Eminönü, die ich bei meinem letzten Besuch schon geliebt habe.Leider müssen wir direkt weiter, mit dem Bus nach Yenikapi, wo meine Metro zum zentralen Busbahnhof geht. Wie so oft beim Busfahren wird es ungeahnt stressig, da Google Maps einen neue Busstation noch nicht kennt. Betül bringt mich bis zu meiner U-Bahn. Ich schaffe es noch 15 min vor Abfahrt am Bus zu sein, passt..

Der Bus ist die ersten 30 min noch fast leer. Ab dem Flughafen dann plötzlich voll besetzt, alle möglichen Nationalitäten. Es ist offenbar der Istanbul Airport To Varna Bus, mit eigenem Tickethäuschen vorm Flughafen.
Achja: Ein eher ungepflegter bulgarischer Bus, Standard (2+2). Ein Wasser und einen Snack gibt es trotzdem. :-) Die Grenzabfertigung (ein kleiner Grenzübergang mitten im Wald) dauert fast zwei Stunden. Immerhin: Alles Gepäck darf im Bus bleiben. Dafür wird der Bus selbst in einer Halle einige Minuten gefilzt.
Ich habe ein Hotel 10km nördlich von Burgas gebucht, in einem Ort neben dem Flughafen (Sarafovo) (In Burgas selbst waren nur Unterkünfte mit schlechter Bewertung oder außerhalb meines Budgets zu finden). Grandios: Der Fernbus hält extra für mich in Sarafovo! Das spart mir wahrscheinlich rund eine Stunde. Ich fühle mich fast wie bei meiner Mitfahrt bei der polnischen Reisegruppe, nur dass ich diesmal 27€ für die Fahrt bezahlt habe.

Das Schiff hat übrigens nur 51h gebraucht. Da die Arrival Times in Burgas in den Vorwochen nahezu gleich waren, ist davon auszugehen, dass es immer erst am Morgen des Folgetages ablegt. De Facto klauen sie einem also fast einen ganzen (Urlaubs-)Tag..

Dienstag, 21. Juli 2026

Leck mich, Fähre - Türkei im Schnelldurchlauf

Sonnntag, 19.7.
Ich beginne den Vormittag in Batumi mit einem Besuch im Outdoor-Fitnessstudio, 3km Joggen zum Aufwärmen. Das ist wirklich nicht nur eine Calisthenics-Anlage, sondern überdacht, zum Teil Maschinen mit Gewichten.
Anschließend beehre ich zum Brunch nochmal die freundliche Kasachin in ihrem veganen Bistro (das sie und ihr Freund leider in 2 Wochen schließen werden).
Ich bin hin- und hergerissen, ob ich das bei dem unsicheren Wetter angehen soll, aber schließlich marschiere ich einfach los, ohne jegliches Gepäck - nur Handy und Portemonnaie. Gut gegessen habe ich ja zumindest. Ziel ist der Hausberg von Batumi, 260hm und 5 km. Der Weg lohnt sich. Diese Kirche wird gerade aufwändigst renoviert. Geplante Bauzeit insgesamt 18 Jahre, falls ich einen der Arbeiter richtig verstanden habe.
Solche Plätze liebe ich ja ... nicht (Kotz-Smiley dazu denken :-D )
Ich hatte eigentlich vor mit der Gondel wieder runter zu fahren. Aber oben gibt es keine Tickets. WTF? Ich könne ohne Ticket fahren und müsste dann unten ein Ticket kaufen. Ohne mich: Wahrscheinlich wäre das ein Round-Trip-Ticket. Ich bezahle schon aus Prinzip nicht für eine Leistung, die ich nicht in Anspruch genommen habe. Dann also gemütlich eine andere Route zu Fuß runter. Das Wetter hält zum Glück.
Abends gehe ich nochmal zum Inder, bei dem ich auch letztes Mal schon war, mit dem Österreicher. Wer weiß, wann ich das das nächste Mal haben kann.

Montag, 20.7.
Heute also der große Tag, die Fahrüberfahrt steht bevor. Ich erledige nur einen notdürftigen Proviantkauf (eigentlich soll es Verpflegung an Bord geben) und verbringe den restlichen Vormittag im Hostel.

Wie lest ihr diese E-Mail?
Oh, einer der Herren spricht Englisch. Ich soll die 220€ vorab zahlen, in Bar. Ich zeige ihm die E-Mail. "Nein, die ist von dem Büro in Burgas. Wir haben die Anweisung die Leute hier zahlen zu lassen." Toll, wo bekomme ich jetzt 220€ her? 700m Fußweg, mit dem gesamten Gepäck, Lari abgehoben und in der Wechselstube getauscht.
Die 100€-Scheine haben am Rand einen rötlichen Schimmer. Ich denke mir nichts dabei. Jetzt steht ein anderer Typ hinter dem Tresen. Er kopiert meinen Pass und notiert meine Handynummer um mich anzurufen, wenn ich dann iiiirgendwann, wohin auch immer, zum Boarding kommen könne. Das hatte ich schon von Lika aus dem Hostel erfahren, dass das gängige Praxis ist. Eigentlich ja auch schon eine Zumutung. Er sieht die 100€-Scheine, zeigt sie einem Kollegen im Hinterzimmer (in das man von vorne, vor dem Tresen, nicht schauen kann) und tippt dann in den Übersetzer (aus meinem Kopf wiedergegeben): Your money has flaws. In two hours the agent will be on the ship, you get the ticket from him

Ich interpretiere seine Aussage so, dass ich mein "Falschgeld" dem Polizeiagenten auf dem Schiff präsentieren soll. Ich kann ja nicht Rückfragen: Alle Ansprechpartner verschwinden nach dem "Gespräch" immer auf niemals Wiedersehen im Hinterzimmer.
.oO Ich habe auf meiner nun schon 2-monatigen Reise mindestens mit einem Dutzend Leuten kommuniziert, mit denen ich keine gemeinsame Sprache sprach, und immer sind wir übereingekommen.

Ich habe echt absolut keinen Bock mehr auf den Scheiß. Bernie, runterkommen! Dazu brauche ich: Ruhe und Essen. Das Restaurant Marseille zwischen Büro und Wechselstube bietet sich an. Wenn es darauf ankommt, kann ich ziemlich effizient sein und bekomme Dinge, für die ich mir auch mal Stunden nehme, in wenigen Minuten geplant. So die Ersatzlösung: Bus und Zug durch die Türkei. Es geht sich auf: Geil, ich werde es auch so am 23.7. nach Burgas schaffen. Den ersten Bus, Hopa-Trabzon, buche ich noch im Restaurant-WiFi.

Dann also auf zur Grenze. Die nächste Linie 16 kommt an der Haltestelle in einer Minute. An der Grenze geht es auch ruckzuck: Diesemal auf beiden Seiten nur eine Person vor mir. Ich brauche noch türkische Lire für den Dolmus. Mist, Umrechnungskurs vergessen. Ich versuche mich an Fahrkartenpreise zu erinnen. 1000 Lire abheben klingt gut. Bingo, ca. 20€ :-D
Ich hätte mich gar nicht so sputen müssen: Ich habe bei all dem Trubel die unterschiedlichen Zeitzonen vergessen. Das spielt mir zum Glück in die Karten: Ich kann in Hopa ganz entspannt abendessen. Das ganze Team eines zu dem Zeitpunkt noch leeren Lokals umgarnt mich und ich bekomme einen hervorragenden Fisch aufgetischt. Ich bin erst 23:30 in Trabzon. Hotel habe ich trotzdem keines reserviert - es gibt genug im Umkreis des Busbahnhofes. (Ja, das = Busbahnhof)
Mein designiertes Hotel ist inzwischen voll, macht nichts, 200m weiter ist das nächste - 30€ inkl. Frühstück :-D

PS: Georgische Zeit 21:48 hatte sich der englischsprachige Mitarbeiter tatsächlich noch gemeldet. Ob der Kahn überhaupt noch heute abgelegt hat? Absoluter Saftladen...
Ganz unten der Chatverlauf.

Dienstag, 21.7.
Trabzon ist mir schon auch als Reiseziel in die Ohren gekommen. Ich würde es zutiefst bedauern, hier nicht mehr als den Busbahnhof gesehen zu haben. Das Zentrum ist 4km entfernt. Das ruft nach einem morgendlichen "Sightseeing-Run". Wecker auf 7:00 gestellt. Schlaf nachholen kann ich in den Verkehrsmitteln. Porridge gibt es als erstes Frühstück davor, Hotel-Frühstück als Belohnung danach. Passt zeitlich alles recht entspannt.
Die türkischen Deluxe-Busse lassen sich wieder nicht lumpen und die Strecke wartet mit einem 2 Jahre jungen 14,5km-Tunnel und einem Pass auf 2120m Höhe auf. 13:50 bin ich in Erzincan. Wieder ein Busbahnhof außerhalb. Der Stadtbus ins Zentrum nimmt Kreditkarte. Von dort noch einen guten km laufen.
Yeah, ich bekomme sogar noch einen Liegeplatz für den Zug in 2h bis Ankara (18 Stunden)! Weiter ab Ankara ist morgen erst in einem Schnellzug um 19:50 ein Platz frei, der kommt dann Mitternacht in Istanbul an. Ich nehme das Ticket trotzdem. Auch das "Problem" bekomme ich später gelöst, während des Mittagessens auf der anderen Seite des Bahnhofs. Fußläufig vom Endbahnhof auf der anatolischen Seite von Istanbul gibt es das Yolo Hostel. Hier war ich 2024 schon. Es sind noch Betten frei und per WhatsApp kann ich abklären, dass ich ausnahmsweise so spät noch einchecken kann :-) Wie einfach manche Dinge doch laufen können?!
Der Dogu Express hat schon in Erzincan 1h Verspätung. Vielleicht gut, dass ich in Ankara "etwas" Puffer habe :-D
(Dogu-Express in die Gegenrichtung, wie ich ihn auf dem Herweg gefahren bin.)