Mittwoch, 8. Juli 2026

Nochmal Yerevan, dann die Nummer 2

Montag, 6.7.
Ich hätte heute direkt weiter gekonnt, aber ich fand es weniger stressig nochmal einen entspannten Tag in Yerevan-Zentrum zu verbringen, ohne nennenswerte Pläne. Bei meinem Frühstück - oder nennen wir es lieber Brunch - im Hostel spreche ich zum ersten Mal auf dieser Reise etwas Spanisch - und zwar mit einem Russen!, der seit 4 Jahren in Alicante lebt und sich für ein paar Tage zurück in die Heimat traut - Flug mit Stopover in Yerevan.
Ein paar kleine Erledigungen habe ich dann doch vor - 13:30 mache ich mich auf den Weg zum Eisenbahnmuseum im Gebäude des Hauptbahnhofs. Das ist leider eine ziemliche Lachnummer: Nicht ein Exponat in Originalgröße, Texte nur auf Armenisch und Russisch. Immerhin ist es kostenfrei und ich konnte bei der Gelegenheit schon meine Fahrkarte für morgen besorgen. Zuvor hatte ich versucht, meine Metro bei der Abfahrt zu fotografieren. Ein Typ schlägt mir dabei fast das Handy aus der Hand. Ich hatte ihn ignoriert - er trug weder Uniform noch sah er sonst irgendwie offiziell aus. Die Metro (1 Fahrt = 37€-Cent) wird mit einem unglaublichen Personalaufwand betrieben: Obwohl es automatische Gates gibt (man muss eine Karte aufladen und braucht dazu eine armenische Handynummer - toll!) sitzt an jedem Gate noch eine Dame in einem Glashäuschen. Außerdem gibt es dort oft "Policia" - ich glaube Polizei und Security ist hier einfach das gleiche. An diesem Bahnsteig, einem oberirdischen, wird die Bahn zusätzlich von 2 Schaffnerinnen abgefertigt. Das ist vermutlich der Grund, weswegen ich nicht fotografieren durfte. Dafür bin ich wahrscheinlich von allen Seiten auf CCTV - das kann ich leiden.. Schon aus Prinzip hier ein Foto aus dem Internet: Also, so sieht der Gerät aus:
Noch ein Special Feature: An den Stationen zählt eine Uhr nicht runter bis zur nächsten Bahn, sondern zeigt die vergangene Zeit seit der letzen Abfahrt :-D Wenn man dazu noch irgendwo die Taktung ablesen könnte, gut - Fehlanzeige :-D Wochentags mittags waren es jedenfalls offenbar 7,5 min.
Ich fahre mal eine Station weiter, um nicht immer nur am Platz der Republik ein- und auszusteigen, und befinde mich am nördlichen Ende des Ringparks, der die östliche Hälfte der Innenstadt (in einem schmalen Streifen) umrundet. Hier finde ich an einem der vielen künstlichen Teiche ein nettes Café für einen Iced Americano, dazu ein leckerer Möhrenkuchen. Anschließend ist ein internationaler Buchladen mein Ziel, ich brauche Lektüre für die lange Fährfahrt in 2 Wochen.
Platz der Republik aus anderer Perspektive (Blick auf die Nationalgalerie)Das Wetter wird etwas ungemütlich. Ich schaffe es rechtzeitig vor stärkerem Regen in einen Second-Hand-Klamottenladen und werde tatsächlich fündig: Zwei neue T-Shirts (ich habe bisweilen vier verschlissen und nur ein neues bekommen (das an einem Wanderweg über einem Zaun hing :-D ).
Die blaue Moschee (nunmehr die einzige von ursprünglich 8 in Yerevan), im 18. Jahrhundert im iranischen Stil erbaut

Dienstag, 7.7.
Ich habe mich gegen den frühen Zug entschieden (7:55), sondern nehme den zweiten (14:25). Vormittage in gemütlichen Hostels gehen ja schnell rum. Mein Ziel: Gyumri, zweitgrößte Stadt Armeniens, mit 120.000 Leuten gegenüber 1,1 Mio. aber weit abgeschlagen.
Der "moderne" Triebzug (mit -theoretisch- Klimaanlage) hat nur 2 Wagen. Der Eingangsbereich ist teilweise mit zwei riesen Kartonstapeln und Tüten voll Lebensmitteln vom (oder für den??) Markt zugestellt. Zum Glück wird das etwa eine Stunde später entladen. Überhaupt ist der Rest der 3-stündigen Zugfahrt ab jetzt entspannter, zuvor war alles besetzt und ich habe notdürftig auf einer Fahrradhalterung gehockt.
Gyumri ist mir gleich sympathisch. Hier mag man offenbar Züge :-DIch gehe Abendessen mit Izaac, einem Australier aus dem Hostel. Grundsätzlich wandert er auch viel. Aktuell muss er sich schonen, da er kürzlich in Kirgistan! von einem Pferd gefallen ist und sich mehrere Rippen gebrochen hat.

Mittwoch, 8.7.
Es hätte sich angeboten, nördlich von hier, im Arpi-See-Nationalpark, an der georgischen Grenze, noch eine Weile zu verbringen. Allerdings lässt sich dort partout keine Unterkunft bekommen. Ich konnte ein "Touristenzentrum" per booking buchen (per WhatsApp antwortet einem sowieso niemand), allerdings kam postwendend auf Russisch zurück "Wir können Sie nicht aufnehmen." Begründung: Keine. Danke auch!
Das Hostel in Gyumri ist Ok. Ich bleibe stattdessen hier eine zweite Nacht.

Die Kirche wurde 1873 geweiht und ist eine der höchsten historischen in Armenien (mit 36 m Turmhöhe für unsere Verhältnisse immer noch klein)Orthodoxe KircheEine große Mutter Armenia Statue gibt es hier, wie in Yerevan, auch.Die Schwarze Burg, 1840 erbaut, 2014 aufwändig saniert. Bestimmt ein toller Veranstaltungssaal!Ich sitze in einem Café, das gleichsam ein Wohltätigkeitsprojekt ist: Menschen mit Down-Syndrom bedienen hier.Anschließend besuche ich auf Empfehlung von Lusine ein Museum zur Stadtarchitektur und der Handwerkskunst in Gyumri im 19. und 20. Jahrhundert, mit entsprechend der damaligen Zeit eingerichteten Wohnräumen.(im Hintergrund eine katholische Kirche)

Hier hatte ich mich eigentlich auf abendlichen Sport gefreut. Allerdings regnet es ab 18:00 in Kübeln. Die Hauptstraße, an der auch mein Hostel liegt, (so sieht sie aus)..verwandelt sich zeitweilig in einen Fluss. Damit fällt auch mein Abendessen flach bzw. es gibt nur einen Tee aus der Hostelküche, dazu trockenes Brot und Nüsse. Muss auch mal gehen.