Freitag, 5. Juni 2026

Drama mit der griechischen Bahn

Spoiler: Ein persönliches Drama habe ich nicht erlebt. Falsch ist die Aussage trotzdem nicht.

Donnerstag, 4.6.
Thessaloniki wäre von Ioannina am schnellsten direkt mit dem Bus zu erreichen, so viel ist klar. Die Hauptachse der griechischen Bahn, Athen-Thessaloniki, will aber noch zu Ende gefahren werden. Den kurzen Abschnitt Paleofarsalos-Larisa schenke ich mir. Zwischen Kalabaka und Paleofarsalos ist nach bald 2 Jahren übrigens immer noch SEV (Schienenersatzverkehr), jetzt auch online ersichtlich.
Der Larisa-Bus fährt erst 15:00. Heute regnet es in Ioannina den ganzen Mittag, mitunter heftig! Richtig geiles Timing mit unserer Wanderung gestern :-) Im Hostel ist trotzdem beste Laune, es geht familiär zu, es wird Karten gespielt und musiziert. Pünktlich um 14:00 hört der Regen auf. Wir gehen zu viert noch kurz essen: Mein gestriges Wandergrüppchen + ein Neuer, Österreicher - DACH komplett :-D - auch noch nicht erlebt.

In Larisa habe ich eine gute Stunde Aufenthalt. Praktisch, dass ich zwischen Busbahnhof und Bahnhof sowieso die ganze Innenstadt durchqueren muss. Blick auf den Olymp (den ich im Übrigen südlich umrunde)
Der vielleicht beste Kuchen auf dieser Reise - jammi :-)

In Thessaloniki bin ich in einem großen Mainstream-Hostel. Der Name "Zeuss is loose" und das konsequent umgesetzt Motto (Die Rooftop-Bar heißt Nectar-Distillery, in den Mails steht "Dear Mortal", ...) sind aber irgendwie schon lustig :-D

Freitag, 5.6.
Thessaloniki wirkt auf mich zunächst erfreulich untouristisch. Ein paar Touri-Ecken entdecke ich dann schon noch, aber es verläuft sich gut. Auffallend ist die 4km lange (ursprünglich sogar 8km) byzantinische Stadtmauer.

15:00 geht das Drama los, äh, mein Zug nach Drama los. Ab dort (19:50) bis Alexandroupoli leider SEV. Aber von 21:00 an wird es eh dunkel, und der griechische SEV ist durchaus nicht der schlechteste:
Kurzer Vergleich:
(Es ist nichts dazugedichtet, alles so erlebt!)
Deutschland:
- Es fahren Stadtbusse, die es noch nicht nach Albanien oder Montenegro geschafft haben :-D, egal, wie lang die Strecke ist.
- Der griechische Busfahrer weiß nicht, dass er einen SEV-Bus fährt und spricht weder Deutsch noch Englisch.
Griechenland:
- Es fahren komfortable gepflegte Reisebusse.
- Der griechische Busfahrer fährt für Hellenic Train (die griechische Bahn) und spricht Englisch.

Hinter Thessaloniki reihen sich übrigens kilometerlang! (ich übertreibe nicht!) auf dem Nachbargleis ausrangierte Wagen und Triebwagen aneinander. Teilweise schon so zusammengerostet, dass sie jetzt sicher auch keinen Schrottwert mehr hätten. Und ich dachte schon in Doboj, Bosnien, einen großen Zugfriedhof entdeckt zu haben. Was für ein trauriges Zeugnis, dass die griechische Bahn ihre besten Zeiten lange hinter sich hat. Hoffentlich geht es bald wieder aufwärts.

Leider beginnt der SEV heute noch etwas früher, ab Serres. Bedeutet: Nur gut 3h Zug. Dafür ist der Bus sogar früher als der Zug in Drama und ich kann gemütlich auf einer Bank meine Brotzeit machen.
Bahnhof Drama
Schickes Lokal, ein vor sich hin rottender Zug :-(

Mittwoch, 3. Juni 2026

Ioannina und die höchst offizielle Komplettlösung

Dienstag, 2.6.
Die Grenzabfertigung dauert nur 1h: 8:30 (9:30 griechischer Zeit) bin ich in Ioannina. Später erfahre ich: Eine vielleicht entspannterere Variante wäre gewesen: Per Taxi oder Trampen die 30 km bis zur griechische Grenze, zu Fuß rüber, und dort gibt es mehrmals täglich Busse nach Ioannina. Naja, nachher ist man immer schlauer.
Für den Moment bin total froh in der Morgenstimmung am Ufer des Pamvotida-Sees zu sitzen und einen Kaffee und einen griechenschen Orangenkuchen zu genießen. Zum ersten Mal ein wirkliches Zurückkehren auf dieser Reise, das fühlt sich gut an! - Auch wenn ich das Fremde inzwischen als neues Normal akzeptiert habe. Ich hatte November 2024 einen ungeplanten Aufenthalt hier und habe mich ein bisschen verliebt. Außerdem hatten mir zu viele Leute (im Hostel, aber auch daheim) von der Vikos-Schlucht im Pindos-Nationalpark etwas nördlich von hier vorgeschwärmt.

Erstmal will aber die Zeit bis zum Hostel-Check-In überbrückt werden. Auf Ioannina-Insel, im eben genannten See, war ich noch nicht. Erstaunlich, wie viel sich auf der 1x0,5km großen Insel entdecken lässt: Schönste Natur, ein richtiges Dorf (touristisch, aber auch 50 Menschen wohnen hier, samt Schule, Kirche, ..) und ein Museum zu Ali Pascha. Er beherrschte 1788-1922 große Teile des damals osmanischen Albaniens und Griechenlands. Er brachte Wohlstand. Ein Raum widmet sich aber auch seinen Gräueltaten: Er hat 17 bis 18 junge griechischen Frauen aus Ioannina ohne Gerichtsverfahren hinrichten lassen, aus Eifersucht seiner Frau oder der Intrigen am Hof. Die Frauen wurden beschuldigt, Ehebrecherinnen zu sein, oder sie weigerten sich, den sexuellen Avancen seiner Söhne nachzukommen. Er ließ sie im Pamvotida-See ertränken. Da wird einem ganz anders.. Später fand Ali Pascha in den Räumlichkeiten, die nun das Museum sind, Zuflucht. In diesem Raum sind auch die Schlitze in der Holzdecke zu sehen, durch die er 1822 angeschossen und später enthauptet wurde.

Ich gehe abendessen mit Luc aus der Nähe von Bern und Alice aus Paris. Sie will morgen alleine mit Zelt für 5 Tage in den Nationalpark. Luc möchte auch in die Vikos-Schlucht. Kostas, der Hostelvater, stellt uns die Komplettlösung vor (Stellt euch einen Typen mittleren Alters vor, mit tiefer Stimme, der ruhig und bestimmt spricht.): 10Uhr-Bus nach Metamorfosi, dann 18 km trampen, hoch nach Monodendri, wo die Wanderung beginnt (13 km, 650hm hoch, 900 bergab.) Vom Dorf Vikos, oder 5 km weiter (Aristi) 19 bzw. 14 km trampen, runter bis Kalpaki, wo 21 Uhr der letzte Bus fährt. 

Mittwoch, 3.6.
Gesagt - getan. Im Bus treffen wir Simon, aus Perth (Australien). Seine Mutter ist Griechin, er spricht somit fließend Griechisch! Er hat seinen 14kg Rucksack samt Zelt mit - für alle Fälle.
In Metamorfosi trennen wir uns erstmal wieder. Zu dritt nimmt uns eh niemand mit. Luc und ich warten keine 5 min, da hält Christos mit seinem kleinen Honda. Ob er rauchen könne.. Klar - Luc raucht ja auch. Christos steckt sich allerdings einen Joint an. :-D Er kann uns überzeugend weiß machen, dass er für 2 Jahre ein ärztliches Attest dafür hat.

Auf den ersten 2km in der Schlucht treffen wir 5 Leute. Der einzige, der auch in unsere Richtung will: Simon!! Während Luc und ich in Montedendri noch einen Kaffee getrunken (und dabei eine israelische Rentnergruppe (Reisebus!) getroffen) haben, hat er es mit zwei verschiedenen Autos hoch geschafft. 
Die weiteren 8 km haben wir die Schlucht komplett für uns! Traumhaft, in jeglicher Hinsicht.
Auf den letzten 2 km kommt uns ein deutsches Pärchen mittleren Alters entgegen. Sie freuen sich wie verrückt, Simon wiederzutreffen, den sie vormittags ein Stück mit hoch genommen hatten. Wir halten uns noch etwas oben in Vikos auf. Inzwischen haben die Deutschen ihre Erkundungstour zu den Quellen im Tal beendet und würden uns bis Aristi mitnehmen. Zu fünf passen wir aber nicht in deren Fiat 500. Spontan springe ich bei einem jungen Einheimischen in das Auto, die anderen kommen direkt nach.Es ist schon nach 19 Uhr, kaum noch Autos verlassen Aristi, zu dritt eh keine Chance. Simon fragt im Dorfladen nach einem Taxi. In Vikos (10 Einwohner) gibt es tatsächlich einen Taxifahrer! 10€ pro Person bis Kalpaki - läuft! :-D

Montag, 1. Juni 2026

Shqipëria

So nennen die Albaner ihr Land selbst. Der internationale Name geht auf die Römer und später auf die byzantinische Administration zurück. Er leitet sich vom Namen eines illyrischen Stamms ab, der in der Antike in dieser Region lebte: den Albani.

Sonntag, 31.5.

Der Bus nach Tirana ist nicht der neuste, aber: Klima, Sicherheitsgurte, sogar Automatikschaltung. Sitze sind recht hart, Sitzabstand könnten größer sein, aber inkl. Grenze und Pause sind es eh nur 3,5h bis Tirana. Diesen Blick hat man, während man auf den Passstempel wartet (Skadar-See).

Neben mir sitzt eine Straßburgerin, die, von 1-tägigen Zwischenstopps in Zagreb und Dubrovnik abgesehen, die ganze Strecke Straßburg-Patras mit dem Bus durchreist! Das finde ich hart im Nehmen.

"Bis Tirana" ist übrigens relativ. Der Bus hält an einem Einkaufszentrum 6km südöstlich des Zentrums. Es wäre nicht so, dass er in südliche Richtung weiterfährt. Er endet dort. Ergibt total Sinn :-D Also direkt Tirana-Stadtbus-Erlebnis. Die halbe Ex-Deutsche-Busflotte fährt hier. Meist Gelenkbusse. Der Schaffner kassiert 1€ oder 40Lek=0,42€ ;-)

Tirana ist mit seinen 600.000 Menschen nach der fast besinnlichen 180.000-Leute-Hauptstadt Podgorica eine ziemliche Ungewöhnung. Schön grün, aber natürlich schrecklichster Autoverkehr. Immerhin, mindestens die Hälfte der Taxis ist elektrisch!

Im Hotel (Einzelzimmer war dringend mal nötig, meine soziale Batterie ist gerade leer) mache ich erstmal 1h ein Nickerchen. Schön, dass es um 18:00 noch eine Walking-Tour gibt! Die englischsprachige Gruppe ist kleiner als die italienische oder spanische, wir sind nur zu 5t + Guide, später kommen noch 2 dazu.

(Achtung, folgend alles Infos, die ich so vom Stadtführer mitbekommen habe.)

Diese Moschee ist bewusst unkonventionell und weltoffen gehalten. Wandbemalung von venezianischen Künstlern. 40% Muslime gibt es in Albanien, die anderen sind größtenteils orthodox oder römisch-katholisch. Es herrscht ein respektvolles Miteinander der Religionen. 90% der Leute praktizieren ihren Glauben aber sowieso nicht.

Auch ein Uhrturm, wie in Podgorica. Der wurde bei beiden Weltkriegen aufs Neue zerstört, ist also eigentlich ziemlich jung.Moderne römisch-orthodoxe Kirche, auf die heilige Mutter Maria geweiht. Gesponsert von den USA, warum auch immer..Die Balkons stellen die Landkarte Albaniens dar! Die Topographie ist entsprechend berücksichtigt und die Balkons sogar mit Region-typischem Grün bepflanzt! Entworfen allerdings von niederländischen Architekten.Diese Pyramide war eine Art "Mausoleum" des stalinistischen Diktators Enver Hoxha (1944-1985), damals staatlich verordneter Pflichtbesuch für alle albanischen Familien! Später Diskothek "Die Mumie" :-D und nun .. seht ihr ja.

Vegane/vegetarische Lokale gibt es 3 - alle sonntags zu. Dann eben Pizza auf die Hand für 150Lek, die kann ich vor der Kulisse des Sees im großen Stadtpark verzehren.

Montag, 1.6.

Der Bus nach Gjirokastër fährt wiederum vom "South and North Terminal" ganz im Westen! der Stadt. Das ergibt zumindest im Nachhinein Sinn, da der schnellste Weg Richtung Süden westlich Richtung Durrës, dem Hafen Albaniens, und dann auf die "Autobahn" (2-spurig, 90 km/h) führt. Am Busbahnhof stehen etwa 40! Busse, fast nur Marschrutkas (Kleinbusse), meine ist zum Glück schnell gefunden. Am Rand der "Autobahn" werden riesen Mengen Melonen verkauft. Wir fahren nur 25 km an Vlorë vorbei, wo ich 2024 einen wunderbaren Tag verbracht hatte.

Gjirokastër ist tatsächlich ein wundervolles Städtchen. Die Altstadt ist schon fast ein bisschen zu touristisch. Ich möchte nicht wissen, was hier zur Hauptsaison los ist - noch ist Vorsaison.

Das Friends Hostel liegt in einer ruhigen Ecke und müsste eigentlich Family & Friends Hostel heißen - Familienbetrieb. Abends kriegt jeder Gast ein Stück Geburtstagskuchen - einer der Söhne ist 15 geworden :-) Blick von der Terrasse auf die Burg

Eigentlich schade, dass ich nicht noch etwas länger hier verweilen kann - der einzige Bus nach Ioannina, Griechenland, geht 06:00.

Allerdings habe ich den Nachmittag und Abend gut genutzt. Die Burg ist etwas enttäuschend (das Gegenteil von Stari Bar: Kein gescheiter Rundgang, überall Sackgassen, ungepflegte Ecken). Blick zurück aufs Hostel

Umso schöner die Schlucht um die Ali Pasha Brücke....und diese versteckte katholische Kirche - zufällig entdeckt.