Montag, 22. Juni 2026

Ostwärts immer weiter, dazu nette Begleiter

(weiter) Sonntag, 21.6.
Um 7 bin ich zurück in Micheles Wohnung. Von 8-11 schlafe ich nochmal. Michele machte sich unterdessen wieder auf den Weg zur Arbeit, ich mache gemütliches spätes Frühstück und chille den Rest des Tages auf dem Balkon. Gegen 18:00 kommen Michele und ihr Freund Mert. Wir fahren mit seinem Auto ins Zentrum von Avanos. Avanos ist schon auch touristisch, dabei aber irgendwie authentisch geblieben. Zu 90% sind es hier die türkischen Touris (in Kapadokien selbst: Alle Welt, vor allem unglaublich viele Asiaten!).
Avanos ist Keramik-Hauptstadt. Zahlreiche Werkstätten laden ein, selbst an der Töpferscheibe tätig zu werden.M. & M. führen mich herum und im Sonnenuntergang auf den Aussichtspunkt des Orts. Ein schöner Blick zurück über das Tal von Kapadokien, bis zur Burg von Uchisar, wo ich gestern erst mit Michele war.Weiter geht die Spaziergangsrunde am Fluss Kizilirmak. Wir erledigen noch kleine Einkäufe, Abendessen wird gemeinschaftlich daheim gekocht, wie in einer WG <3 Zum Abschluss gibt es noch ein Weinchen. 22:20 muss ich mich Verabschieden, zum letzten Bus nach Kayseri.
Vorgestern hatte ich gesehen, dass es dort auch eine Straßenbahn gibt, die Google Maps mir (natürlich :-/) vorenthalten hatte. Moderne Fahrzeuge, 4 Linien. Hier gibt es keinen Stress mit dem Ticket, das Gate nimmt meine Kreditkarte. Nach wenigen min kommt die nächste Bahn, fast leer - kaum verwunderlich um Mitternacht herum. In meinem Wagon ist nur eine syrische Familie - der Vater versucht mittels Translate ein bisschen mit mir zu quatschen. Ich fahre bis zum zentralen Platz, von dort sind es nur 1,5km bis zum Bahnhof.Es sind immer noch überraschend viele Autos unterwegs, Fußgänger dagegen fast 0. Da ich wirklich gemütlich gehe habe ich am Bahnhof Kayseri nur noch 30 min zu warten und der Nachtzug aus Ankara kommt glücklicherweise nur 10 min zu spät (bei meinem Zug vorgestern waren es 50 min gewesen). 01:30 kann ich an Bord gehen, 4er-Liegewagen-Abteil.

Montag, 22.6.
Ich schlafe um 8:00 tatsächlich nochmal ein und wache erst kurz vor 10 auf, rechtzeitig bevor der Divrigi Nationalpark an uns vorbeizieht.
Wer ist denn überhaupt hier noch so im Abteil? Ein 70jähriger türkischer Renter und Sol und Alex aus Newcastle, die auch bis Kars reisen, nur um die volle Bahnstrecke mitzuerleben.Der ältere Herr steigt "schon" vormittags in Erzincan aus. Wir verbringen viel Zeit im recht leeren Bistro-Wagen: Ich lerne Backgammon und später das Kartenspiel Cambio. Zeitweilig sind auch Hatice, aus der Istanbuler Gegend, und Eduardo aus Mailand dabei. Hatice ist mit 3 weiteren Leuten unterwegs, die wir auch kurz kennenlernen, zu einer Hochzeit bei Erzurum. Eduardo hat seinen Lobbyisten-Job in Brüssel im April an den Nagel gehangen und reist auf dem Landweg bis Indonesien. Leider fahren wir tief ins Dunkel und Abendessen in Kars kann ich auch vergessen - die Verspätung hat sich auf 2,5h summiert. Die gemütliche Stimmung bei uns im Abteil mit chilliger Musik aus dem Bluetooth-Lautsprecher lässt aber keine schlechte Stimmung darüber aufkommen :-)
In Kars, letzte Übernachtung hier in der Türkei, bin ich nun schon 3000 km Luftlinie von Heidelberg entfernt und nur 50 km von der Armenischen Grenze. Die Grenzübergange zwischen den beiden Ländern sind aber leider geschlossen :-(