Donnerstag, 25. Juni 2026

Hostel 47 in Batumi - Nabel der Welt

Dienstag, 23.6.
Von Kars bekomme ich nicht wirklich viel mit. Ankunft gestern 23:00, Abfahrt heute 10:00. Das Hotel hat mich ganze 18€ gekostet. Dafür ist das Zimmer halt ein tatsächliches Einzelzimmer mit 1m-Bett und ohne Fenster ins Freie. Das Bett ist sauber und bequem. Genau richtig für eine Nacht.
Da ich gestern ja keine warme Mahlzeit hatte, nehme ich mir Zeit für ein Frühstück im benachbarten Café Paris. Qualität so lala, aber ich werde gut satt: Verschiedene Sorten Käse, Pommes, Spiegelei (die 4 Scheiben Salami sortiere ich halt runter), aber auch süße Aufstriche. Gut gestärkt kann ich die 6,5h Busfahrt angehen.
Zum Abschied leider kein Deluxe Bus - es ist ein Otokar Sultan, wie ich ihn an der Südküste als Regionalbus erlebt habe: Nichts mit Luftfederung (jede Bodenwelle grüßt) und Armlehnen, immerhin habe ich die ganze Zeit 2 Plätze für mich und nach 2,5h gibt es 30min Pause an einer urigen Holzhütte. Ein junger Türke aus dem Bus versucht sich dort auf Englisch mit mir, der Tee geht selbstverständlich auf ihn.
In Hopa, der letzten größeren Stadt vor Georgien, komme ich gar nicht dazu, inne zu halten um mein erstes Mal am Schwarzen Meer zu zelebrieren: Ibrahim, ich weiß gar nicht, ob er auch in meinem Bus saß, "hakt" mich auf den ersten Metern nach dem Aussteigen unter: "Batumi? Komm mit! Wir nehmen einen Minibus, günstiger als Taxi." (logisch, hatte ich eh vor). Die Konversation läuft mit Hilfe von Translate. Danke für das Zeigen der Dolmus-Station - keine Ahnung, wie ich sie sonst gefunden hätte..Ob ich etwas für ihn über die Grenze bringen kann?! Moment - mir wird etwas mulmig: Nicht, dass ich jetzt zum Drogenkurier werde! Er arbeite als Fliesenleger in Batumi. Als er mir ein Foto seines verrichteten Werks dort zeigt, bin ich etwas beruhigter und noch beruhigter, als er die Stange Zigaretten vor meinem Augen im Duty Free kauft. Darum ging es also. Kein Ding.

Die Grenzstation ist riesig und zumindest um diese Tageszeit scheinen ein paar Hundert Leute pro Stunde die Grenze zu Fuß zu passieren. Man läuft ungelogen 500 m durch einen langen breiten Gang. Als letztes die georgische Gepäckkontrolle und der Check, ob ich nicht schon kürzlich Zigaretten importiert habe. Weiter geht es mit einem gewöhnlichen modernen Stadtbus, Linie 16. Bezahlung mit Kreditkarte. Ibrahim lässt es sich nicht nehmen mir die Fahrt zu spendieren.
Die 16 fährt mich bis 800 m vor mein Hostel. Das Hostel hat nur 3 Dorms (20 Betten gesamt) und zeugt von Perfektion. Hostelmutter Lika scheint selbst schon in vielen Hostels gewesen zu sein, um zu wissen, worauf es ankommt. Außerdem ist sie die hilfreichste Person der Welt. Interessant, dass sie das Hostel nur in der Sommerzeit (5 Monate) öffnet. Bei Zahlungsdienstleistern gibt es keine Saisontarife, daher nur Cash. Meine restlichen türkischen Lire reichen genau um die zwei Nächte zu bezahlen, der Kurs an der Wechselstube ist erstaunlich fair - ich hätte erwartet, Lire will hier niemand haben. Anschließend gehe ich Abendessen in ein georgisches Restaurant und bin etwas überrascht, dass der leckere Gemüseeintopf mich am meisten an marokkanische Tajine erinnert :-D

Mittwoch, 24.6.
Ich kaufe Haferflocken und laktosefreie Milch (Pflanzliche Milch habe ich erst später in einem größeren Supermarkt gesehen) und Obst bei einem Gemüseladen. Nach ausgiebigem Frühstück im Hostel gehe ich zum Büro der Fähre Batumi-Burgas. Man spricht nur Russisch. Erster Einsatz meines Russisch-Offline-Übersetzers. "20.7.? Nje, dafür kann ich (jetzt noch?) nicht buchen." "Ab wann kann ich diese Fähre buchen?" Mit dieser Frage lässt er mich eiskalt stehen und wendet sich weiter den anderen Leuten zu - vermutlich geht es um irgendwelche Lkw-Frachtpapiere. Danke für nichts! Die Industrie-Hafengegend hier ist echt nicht so schön. Auch ein weiterer Versuch einen tierfreien Brotaufstrich zu finden schlägt fehl. Lieber mit dem Bus zurück ins Zentrum, zumindest das klappt gut. Hier entdecke ich noch ein paar Prachtstück georgischer Architektur. Ich meine das ernst, ich finde es geil!
Leider habe ich Halsschmerzen, ich glaube die Klimaanlage des letzten Busses gestern hat mir ziemlich zugesetzt. Eine heiße Suppe zum Mittag wäre super. Kurz zurück im Hostel - Google Maps zeigt mir zum Stichwort Suppe ein veganes Café - nichts wie hin dort. Ich bin der einzige Gast. Mit der Inhaberin Angelika, ich denke, sie ist noch keine 30, habe ich einiges zu plaudern. Sie ist aus Kasachstan und seit 3 Jahren in Georgien. Das Lokal hat sie nach ihrer verstorbenen Großmutter benannt. Leider wird sie im August schließen, die Lage ist zu versteckt (Hauptkundschaft: Europäische Touristen), vielleicht gehen sie und ihr Freund nach Europa. Noch besser als die Suppe ist eine grandiose "Oreo"-Zimtschnecke. Die gönne ich mir zum Nachtisch. Meine Laune ist nun besser, Zeit für einen ausgiebigen Stadt-Spaziergang.Die Georgier lieben den Leaf 1 (Für alle Unwissenden: Ein älteres Elektroauto, in genau dieser Farbe hatte ich selbst eines, 2016-2022). Ich habe in Batumi alleine 5 Stück gesehen während meiner kurzen Spaziergänge.
Als ich gegen 18:00 das Hostel wieder betrete: Gleich zwei unerwartete bekannte Gesichter!: Eduardo (Italiener) aus dem Zug vorgestern (er ist über Erzurum-Trabzon hergekommen) und, noch viel verrückter: Der Österreicher vom Abreisetag in Ioannina, Griechenland. Er heißt Andi und hat erfreulicherweise Bock auf Indisch-Mittwoch. Anschließend begießen wir das unverhoffte Wiedersehen noch mit einem Bierchen aus dem Supermarkt.
Inzwischen sind auch Sol und Alex, die beiden Engländer aus dem Zug vorgestern, im Hostel aufgetaucht. Von ihnen wusste ich allerdings schon, dass sie zufällig auch hier gebucht haben.

Donnerstag, 25.6.
Ich schlafe bis 10:30. Allerdings war ich auch bis ca 1:30 wach gewesen. Leider immer noch Halsschmerzen. Ein (Halb)Tagesausflug lohnt jetzt nicht mehr - 14:00 muss ich los zum Bahnhof, mehrere km östlich vom Zentrum. Beim Frühstück plaudere ich nochmal mit Alisa, einer jungen Russin, die in Edinburgh studiert. Hier kann ich mal helfen: Sie möchte heute rüber in die Türkei.
Ich habe Lust auf einen guten Kaffee, dafür ist noch Zeit. Der Stadtführer in Tirana hatte gemeint, seine Stadt hätte eine der höchsten Café-Dichten. Ich würde meinen, Batumi toppt das noch. Allerdings habe ich gerade irgendwie die Wahl zwischen Verkehrslärm, Baulärm oder nach meinem Geschmack zu lauter Musik, die immer auch die Außensitzplätze beschallt.
Ja, da ist ein kleines Riesenrad in der Fassade! :-DBuslinie 10/10S bringt mich recht flott zum Bahnhof. Der Zug ist tip-top, modern, gut gepflegt, freundliches Personal und ab hier noch sehr leer. Ab Tiflis kommt eine Gruppe von 2 jungen Engländern + 1 Engländerin zu mir ins Abteil. Toll, dass die armenische Bahn ihn trotzdem schon ab Batumi fahren lässt!