Am Regionalbusbahnhof von Alanya setze ich mich ins nächstbeste Restaurant, leer und recht ruhig, und kontaktiere meinen Gastgeber, Couchsurfer Mehmet. Er hatte Nachtschicht (Hotelrezeptionist), ist gerade ziemlich erkältet und schläft daher bis 17:00 durch, so dass ich eine ganze Weile auf seine Antwort warte. Wenig schlimm, so konnte ich u. a. den letzten Blogbeitrag erstellen. Es sind 6km bis zu seiner Wohnung. Google Maps zeigt zumindest einen Bus ab einer Haltestelle in 1,5km Entfernung. Es klappt. Bei ihm ist schon seit einigen Tagen eine weitere Couchsurferin: Natalia aus Russland, 39. Sie schläft im Gästezimmer, ich bekomme "nur" die große Couch - absolut in Ordnung!
Mehmet muss sich weiter auskurieren, aber zu meiner Freude hat Natalia Lust mit mir nochmal in die Stadt zu fahren und den Burgberg zu besteigen. Sie hat eine türkische SIM-Karte und ihre russische App zeigt alle Busse (Google Maps nur eine einzige Linie, WTF). Praktisch, dass sie uns damit schnell zum Fuß des Hügels und zurück navigiert. Den Rest übernehme ich mit Mapy - so landen wir auf menschenleeren, eher geheimen Wegen und Treppen - oben auf dem Hügel, vor allem natürlich nahe der Seilbahn-Station (für 180hm! :-D ) der übliche Touri-Trubel. Einen Tee im Abendlicht (zum Sonnenuntergang haben wir es leider nicht mehr geschafft) lassen wir uns trotzdem nicht nehmen. Was für eine süße Idee von ihr! <3
Dienstag, 16.6.
Nochmals Dank an Mehmet für die Empfehlung der Bus-Plattform obilet . com, hier sieht man wirklich alle türkischen Fernbusse. Man kann einen Sitzplatz wählen und sieht sogar von, welcher Fernsterseite die Sonne scheinen wird. Viel wichtiger: Statt der entspannten Nacht in Alanya war ich bis dahin davon ausgegangen, dass mir eine Nachtbusfahrt droht. Dabei gibt es auch einen morgendlichen Bus um 10:30, entspannt :-) Mehmet und Natalia schlafen trotzdem schon bzw. noch. Unschlüssig, welche Buslinie Richtung Alanya Zentrum nun die bessere ist, wähle ich die Haltestelle derer, die nicht direkt an der Küste entlang führt. Siehe da, eine Dame mit großem Gepäck bestätigt meine Vermutung: Dieser Bus fährt sogar durch bis zum Fernbusbahnhof am anderen Ende der Stadt. Manchmal läuft es also auch gut mit den Stadtbussen :-)
Platz und Service im Bus stehen dem von vorgestern in nichts nach, obwohl es diesmal ein kleineres Busunternehmen ist als der "Platzhirsch", der im Übrigen von Flixbus übernommen wurde. Es hat sich gelohnt einen Platz auf der rechten Seite zu buchen, die der Küste zugewandt ist. Der Bus schraubt sich auf bis zu 480 m über dem Meer.
Rund um Anamur: Bananenplantagen! Da muss ich mir in Silifke doch gleich mal welche holen. Die werden hier kunstvoll aufgehängt: Hier waren es nur 3 Bündel - stellt euch an den Verkaufsständen entlang der Straße in den Bergen quasi Vorhänge aus Bananen vor :-)
Ich habe das Cockpit im Blick. Die 12-Gang-Automatik des modernen MAN orgelt munter durch die Gänge. Durchschnittsverbrauch: 22l/100km. Und das bei 2800hm auf unserer Strecke. Das verbrauchen manche ja schon fast mit ihren Oldtimer-Campern. Da finde ich es auch vertretbar, dass wegen der 2+1-Bestuhlung maximal 38 Fahrgäste in so einen Bus gehen. Ich kann mir vorstellen, dass wiederum bei derartigem Komfort der Bus durchaus auch von Leuten benutzt wird, die eigentlich ein Auto zur Verfügung hätten. In meinem Fall waren die Busse meist zu 2/3 besetzt.
In Silifke gibt es nur 2 Hotels. Direkt an der Hauptstraße am Busbahnhof muss jetzt echt nicht sein. Das andere, am Fluss Göksu, ist wohl über mehrere Wochen komplett von geschlossener Gesellschaft gebucht. Davor laufe ich einer Russin in die Arme, die Englisch spricht, schon länger in der Türkei arbeitet und nebenberuflich für russische Touristen Dinge organisiert und dolmetscht. Sie erzählt mir, dass die Preise hier teuer wären, da viele Russen für den Bau des AKW! in Akkuyu hergekommen sind. Sie empfiehlt mir für ein günstiges Hotel einen Ort viele km östlich von Silifke. Das kommt sicherlich nicht in Frage, morgen geht mein Bus hier um 8:45. Also erstmal ins nächstbeste Café und mittels WiFi die Lage sondieren.. Siehe da: "Flixbus" hat meinen morgigen Bus storniert. Das spielt mir voll in die Karten! Inzwischen weiß ich ja, dass es noch etliche weitere Verbindungen gibt.
Soo teuer sind die Hotels im 10km entfernten Hafenort Tasucu auch nicht. Ich finde 2 für 50€. Wo der Dolmus dorthin abfährt habe ich auf dem Herweg schon gesehen. Aber erstmal lädt das Rock'n Roast Café noch zum längeren Verweilen ein. Stylischer Laden und leckeren Kuchen gibt es auch :-)
Endlich mal wieder eine waschechte Marschrutka - aufwändig umgerüsteter Fiat Ducato. Der Rollkoffer-Typ ist vermutlich Russe, spricht jedenfalls kein Englisch.Das erste Hotel ist ausgebucht. Beim zweiten: Kein Problem, Frühstück ist inklusive. Die Rezeption ist gleich hinter der Tür. Am anderen Ende der Lobby sitzt noch jemand, am Schreibtisch im Chefsessel: Ein bulliger, aber total freundlicher Typ, der fast akzentfrei Deutsch spricht.
Erstmal an den nur 100 m entfernten Strand (den hätte ich direkt in Silifke nicht gehabt) und das letzte Mal auf dieser Reise das Mittelmeer ausgiebig genießen. Außerdem gibt es eine Calisthenics Anlage, super!! Ich mache immerhin 10 Sätze Workouts.
Auf der Hotel-Dachterrasse: Nichts los. Der Hotelchef stellt sich als Sinan vor. "Ich mache dir eine Pizza." Er hat als Oberstufenschüler in Duisburg in der Pizzeria nebenan gejobbt. Die Bedienungen sind Studentinnen. Zwei studieren Landwirtschaftstechnik, eine Tourismus. (möglich, dass eine der drei seine Tochter ist) In Silifke gibt es eine Uni (am nächsten Morgen hält der Dolmus auch dort).
Ich frage nach einem anderen türkischen Bier als Efes (schmeckt nicht!): "Nimm Tuborg, das ist längst eingetürkt." :-D Wir plaudern noch ein bisschen.
Mittwoch, 17.6.
Morgens kümmern sich Sinans Eltern um das Buffet. Also auch ein Familienbetrieb.
Juhuu, heute geht es wieder mit dem Zug weiter.
Aber erstmal nochmal Luxusbus, 2,5h, zurück über das Taurus-Gebirge, diesmal ein Pass auf 1650m, und danach gar nicht mal so weit runter: Karaman liegt auf 1050m. Die Straße wird neu gebaut: Vierspurig, tiefe Taleinschnitte, Tunnel, viel Beton. Gestern entlang der Küste ebenso. Ich freue mich überwiegend noch die ursprüngliche Straßenführung miterlebt zu haben. Sie bietet die viel schöneren Blicke in die Landschaft. Das viele Busfahren in den 4 Tagen war es so allemal wert.
Karaman scheint es gut zu gehen: Es empfängt einen ein top moderner Busbahnhof. In der Stadt selbst ist auch vieles neu und aufgeräumt. Hier könnte man gerne wohnen. Auf einem Platz mit Café quatschen mich zwei Rentner an und laden mich auf einen Eiskaffee und Tee ein. Wenn man ihnen glauben schenken mag, kommt das Geld für die Stadt wohl von Exil-Türken "80% aus Karaman leben in Europa". Der Herr links hat sein Leben lang in den Niederlanden gearbeitet, der andere hat Brüder in Köln bzw. Augsburg.
Der langersehnte Bahnhof :-)
In Konya habe ich 1,5h Umstieg. Ich gebe es schnell auf Bus oder Dolmus in die Altstadt zu finden, obwohl sie interessant scheint - hin- und zurück ist zu Fuß zeitlich nicht machbar. Dann lieber eine Runde Chillen im offenbar nagelneuen Kültürpark, auch hier mit einer Uni-Bibliothek. Die große Moschee ist noch im Bau.Im YHT (=türkischer ICE) habe ich noch ein Gespräch mit einem Herren, auch 43, der bei dem größten und wohl einzigen türkischen Rüstungskonzern arbeitet und regelmäßig Ankara-Konya pendelt.
In Ankara muss ich mit der erst 2023 eröffneten Metro Nr. 4 Richtung Norden. An deren Endstation holt mich Mahir ab, der Vater meiner Mitbewohnerin Pelin in Ludwigshafen (2022-2024). Ich kann zwei Nächte bei ihm, seiner zweiten Frau und Pelins Halbbruder übernachten, wie toll!! <3