Eigentlich hätte ich heute gerne eine Walking-Tour mitgemacht. Aber Izmir ist so untouristisch: Es gibt nur alle paar Tage eine.
Letztendlich, wie mir von mehreren Leuten prophezeit wurde, hat Izmir tatsächlich nicht viel fürs Auge zu bieten. Es gibt eine archäologische Stätte mit den Resten der griechisch-römischen Altstadt, aber nach den beiden Festungen auf Limnos und Lesbos habe ich erstmal genug von alten Gemäuern. Das intakte historische Zentrum beschränkt sich auf den großen Straßenmarkt. Immerhin, autofrei ist es hier. Izmir hat auch einen Uhrturm als Wahrzeichen. Von hier kann ich entspannt immer am Ufer der Bucht entlang laufen, 3 km im nördliche Richtung. Ich genieße den heute mal weitestgehend bedeckten Himmel, den Wind und die Meeresluft. Genau das Richtige gerade.
Im Bahnhof Alsancak, der glaube ich nur noch von der IzBan angefahren wird, entdecke ich noch was Spannendes :-) Es gibt so etwas wie das Museums-Gleis im Leipziger Hauptbahnhof: 2 Dampfloks (allerdings 2x die gleiche) und vier historische Personenwagen, das Highlight: Der Atatürk-Wagen.
Langsam knurrt mein Magen. Im benachbarten Stadtteil gibt es jede Menge Bars und Bistros. Die mit dem Kuckuck finde ich lustig und hätte ich hier nicht erwartet, eine Nudelbar.
Weiter zurück Richtung Hostel geht es durch modern-westliche Stadtteile: Hier gibt es schöne ruhige Kaffee-Bars - ein Eiskaffee und WiFi sind mir gerade sehr willkommen. Plötzlich ist es doch schon 16 Uhr und der prognostizierte Regenschauer bricht herein, gerade als ich den Kültürpark betreten wollte. Zum Glück reihen sich auch hier nette Cafés aneinander. Der lecker aussehende Kuchen in der Auslage lässt mich ins Kalimera Greekafe eintreten. Die Inhaber können kein Englisch, aber Griechen sind sie wohl nicht. Besonders freut sich die Hauskatze über meinen Besuch: Da sie sich genau auf die Hosentasche mit meinem Handy legt komme ich nicht drumherum sie so lange zu kraulen, bis der Regen gänzlich aufgehört hat <3
Im großen Kültürpark scheinen zahreiche Sport- und Eventhallen ihren Platz gefunden zu haben, aber auch eine moderne Moschee und eine Bibliothek.Ich kann es mir verkneifen noch auf den Aussichtspunkt in der Ferne, 140hm und nur gut 1 km vom Hostel, zu gehen. Das würde doch wieder nur stressig werden.Lieber noch Obst und Gemüse auf dem Straßenmarkt kaufen und in Ruhe die weitere Türkei-Reise vorbereiten. 20:05 geht der Nachtzug nach Konya. Meine luxuriöseste Zugreise bist jetzt. Kostenpunkt waren ca. 60€. Ich habe ein Zweier-Abteil für mich! Im Kühlschrank! gibt es Wasser, Fruchtsaft, Schokoriegel, türkische "Tuc".
Sonntag, 14.6.
Kurz vor dem Ilgin-See wache ich auf. Nicht, dass man den kennen müsste (7km lang). Aber hey, schöne und überraschend grüne Landschaft.
Konya erreichen wir mit 50 min Verspätung, "auf Grund eines technischen Problems", wie mir der Schaffner extra per Translate auf seinem Handy mitteilt :-D
Doof nur, dass der Busbahnhof Konyas 10!km nördlich des Zentrums liegt. Es gibt eine Straßenbahn, aber bis zu der sind es auch erstmal 2km Fußweg. Zutritt zum Bahnsteig nur mit Ticket. Aber wo gibt es das bitte? Kein Automat, kein Aushang,... . Wie ich sowas leiden kann.... A*schlecken, ich habe echt keinen Bock meinen Fernbus zu verpassen. Sprung übers Gate, caught on CCTV. Tag 2 in der Türkei und schon Staatsfeind Nr. 1 :-D 8 min vor Abfahrt bin ich am modernen aufgeräumten Busbahnhof. Der Bus ist deluxe: Noch nie in einem Reisebus mit 2+1-Bestuhlung gefahren. Hier eher der Standard. Neben 2 Fahrern gibt es einen Steward, der zischendurch sogar 1x mit einem Mini-Trolley kostenlose Snacks und Getränke verteilt :-D
Einmal ab übers Taurus-Gebirge. Der Pass ist immerhin 1800m hoch, auf den höchsten Gipfeln noch Schnee.
Marschrutkas heißen in der Türkei Dolmus und sind keine umgebauten Transporter, sondern neuere türkische Fahrzeuge, hier sogar behindertengerecht. Der Busbahnhof von Manavgat ist im Süden der Stadt, eigentlich nur 4km von Side, aber in der Nachmittagshitze muss das zu Fuß echt nicht sein. Ich war gerade dabei, mich zu einem anderen Dolmus-Stop aufzumachen, da kommt doch noch der richtige, mit Fahrtziel Side. Oh mein Gott, ich kann mir gerade kaum einen Ort vorstellen, an dem es sich als Backpacker falscher anfühlt. Aber genau diese Experience wollte ich ja zwischendurch :-DUmso schöner die kleine familiengeführte Yükser Pansiyon (12 Betten), in einer ruhigen Ecke der kleinen Halbinsel, auf der Side-Zentrum liegt. Ein Glück, dass sie noch für eine Nacht ein Zimmer frei haben. 100 m weiter ist auch schon kleiner ruhiger Strandabschnitt. In und um Side sind der Touri-Ort und griechisch-römische Ruinen auf kuriose Weise miteinander verwachsen. Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Auf der einen Seite bekommen so viel mehr Menschen von der Geschichte etwas mit, auf der anderen Seite verkommen die antiken Gemäuer einfach nur zur beliebigen Kulisse. Die 10€ Eintritt für die zwei archäologischen Stätten weiß ich jedenfalls nicht, wofür man sie investieren sollte - das Meiste scheint man auch so sehen zu können.
Ich lande in einem schicken Lokal mit Meerblick. Ich hätte mich ja erstmal in der Unterkunft umgezogen, aber die Kellner bitten einen so vehement rein, dass ich nun in Achselshirt und Badehose hier sitze. Umgerechnet 28€ inkl. Trinkgeld und Salat. Aber lecker war's und auch mal schön ein vegetarisches Gericht außer Pizza, Burger oder Falafel zu essen :-)
Montag, 15.6.
Frühstück in der Pansiyon. Da freut sich Bernie Brunch (im Übrigen seit einiger Zeit mein Couchsurfing-Pseudonym - den richtigen Nachnamen kann außerhalb Deutschlands eh niemand aussprechen)
Der heutige Dolmus fährt mich quer durch Manavgat ( schön - habe ich diese größere Stadt auch noch gesehen :-D ), nicht zum Fern-, sondern Regionalbus-Bahnhof. Shit, der richtige ist 4 km entfern - am Fern- sagte man mir gestern, gehen alle 20 min Busse nach Alanya. Aber auch hier steht ein mittelgroßes Gefährt, Modell Otokar Sultan, nach Alanya abfahrbereit. Die Fahrt dauert nur eine gute h.