Bei Mahir und Familie komme ich einmal mehr in den Genuss türkischer Gastfreundschaft. Nach dem ausgiebigen Frühstück mache ich mich späten Vormittag alleine auf zu einer Ankara-Tour mit Öffis.
Kocatepe-Moschee, die angeblich größte der Türkei, gebaut 1967-1987. In Istanbul hatte ich es ja nie in eine Moschee geschafft bzw. hatte keine Lust auf Schlange Stehen. Innen traue ich mich nicht zu fotografieren. Möglicherweise ist auch gerade Gottesdienst - über Lautsprecher ist ein Imam (Vorbeter) zu hören - mit der Akustik in dem riesen Saal auf jeden Fall viel erhabener als draußen die Muezzin-Rufe aus den (sorry!) Quäke-Megaphonen.
Das Häusermeer der 6-Millionen-Metropole. Der Turm war ganz schön teuer (11€), dafür könnten sie ruhig mal die Scheiben regelmäßig putzen :-(
Ich dachte ursprünglich durch noch einen weiteren Park Richtung Atatürk-Mausoleum wandern zu können. Der stellt sich aber als großes eingezäuntes Privatgelände heraus. Mit Bus/Dolmus abzukürzen ist auch schwierig, die fahren alle eher in die falsche Richtung. Ich laufe noch 1,5km weiter und steige dann in den nächstbesten nicht überfüllten Bus, der mich zur AnkaRail bringt, auch nur eine gewöhnliche U-Bahn, etwas älter als die M4. Hiermit kann ich direkt zum Anitkabir fahren, wie das Mausoleum auf Türkisch heißt. Etwas frustrierend: Ich bin zu spät! Einlass nur bis 17:00, damit hatte ich nicht gerechnet. Ein Gewitter zieht bedrohlich auf, ich trete lieber den Heimweg an, noch 1,5km bis zur nächsten Station der M4, leider größtenteils an super vollen lauten Ausfallstraßen.
Der Weg von der Endstation bis zu Mahir stellt sich komplizierter als andersrum heraus: Keine Ahnung, wo die Busse in die Gegenrichtung abfahren. In einen Bus, der es sein könnte, stopft sich eine ewig lange Menschenschlange. Es geht diszipliniert zu, trotzdem habe ich keine Lust auf Sardinienbüchse. Das Gewitter hat sich während meiner U-Bahn-Fahrt wohl abgeregnet, die Luft ist gut, eigentlich habe ich noch ein bisschen Lust auf Bewegung und so weit sind 2,5km auch nicht. Der Weg ist schön und interessant. Erstaunlich, wie städtisch Ankara auch so fern vom Zentrum noch ist.
Freitag, 19.6.
Verdammt, warum wird hier, hinter Elmadag, die Landschaft schon wieder so grandios?! Da komme ich kaum zum Schreiben ;-)
Die Sitzwagen des Güney-Express haben auch alle 2+1-Bestuhlung, das war also keine Besonderheit des Pamukkale-Express, sondern ist Standard bei den älteren Fernzügen. Die Busse lassen grüßen ;-) Leider ist mein designierter Sitzplatz in einem rollenden Kindergarten, mindestens 3 Familien mit kleinen Kindern, außerdem ballert die Klimaanlage hier wie Sau. Nach 3h gehe ich auf einen Çay (Tee) in den Bistrowagen und wechsele für die restlichen 4,5h den Wagen, der Zug ist eh weniger als halbvoll. Jetzt habe ich es wohltemperiert und mit ruhiger Gesellschaft - und es wird munter Proviant ausgetauscht :-) Der Zug fährt weiter in den tiefsten Südosten. Für mich ist erstmal in Kayseri Schluss. Keine Ahnung, warum uns bereits ab Ankara eine Diesellok zog - bis hier hängt auf jeden Fall Oberleitung, obwohl eine eingleisige "Bimmelbahn".
In Kayseri auch ein Busbahnhof weit außerhalb. Die von Google Maps vorgeschlagene Busverbindung klappt, vorher schaffe ich sogar noch ein kleines warmes Abendessen in einem Bistro.
Samstag, 20.6.
Ich bin bei Couchsurferin Michele. Brasilianerin, "Aussteigerin", könnte man sagen. Über einen Volunteering-Job ist sie hier in Kapadokien hängen geblieben. Sie arbeitet aktuell bei einem Juwelier. In ihrer großen Wohnung mit gemütlichem Balkon darf ich sogar Wäsche waschen und mir alleine alle Zeit der Welt lassen. Erst 15:40 mache ich mich mit dem Dolmus auf den Weg ins eigentliche Kapadokien. Göreme, der Hauptort: Furchtbar touristisch! Ich mache nur eine kleine Wanderung, 4km durch das Pingeon-Tal, zum nächsten Ort, Uchisar. Um 18:00 hat Michele dort Feierabend und wir verbringen noch etwa 2h gemeinsam in dem Ort, bevor uns der Bus zurück nach Avanos bringt, der wenig touristischen Kleinstadt am Nordrand Kapadokiens. Bei Michele kochen wir gemeinsam "Garden Pasta" - wie Nudeln mit Gemüse-Allerlei in Brasilien genannt wird.
Sonntag, 21.6.
Das zweite Mal auf dieser Reise wirklich früh aufstehen: 04:10 werde ich abgeholt. Zeit mir einen Kindheitstraum zu erfüllen: Einmal Ballon fliegen (wobei man ja eigentlich, glaube ich, "fährt"). Michele hat Verbindungen in die Tourismusbranche und hat mir einen günstigen Flug organisiert <3 Nur so viel: In Thüringen hätte es schon vor 20 Jahren das 3-fache gekostet. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass die Sache natürlich alles andere als nachhaltig ist. Bis zu 154 Ballonstarts an einem Morgen lässt die Luftfahrtbehörde zu. 50 sind es mindestens heute. Ein bisschen Glück gehört dazu: Wetterbedingt kann nur an 200-250 Tagen im Jahr gestartet werden, die Preise variieren entsprechend. Zu jedem Ballon gehören ein Pickup mit Trailer und zwei Kleinbusse, die die 32 Passagiere herkarren. Die werden auf 8 Parzellen in dem Korb aufgeilt, dazwischen der Bereich für Gasflaschen, Pilot und Copilot. Der eigentliche Flug dauert gut 45min. Einmal geht es runter bis auf 5m über Grund. Respekt an den Piloten! Nicht weniger beeindruckend und sehr pragmatisch: Nach kurzem Aufsetzen auf den Boden wird nochmal abgehoben und die finale Landung ist, mit Hilfe des Bodenpersonals, direkt auf dem Trailer :-D