Montag, 29. Juni 2026

Plan C und Roadtrip mit Pegel-Pego

Amberd-Tour, zweiter Versuch.
Die Abfahrtszeit des Busses nach Byurakan ist bekannt (10:30), ebenso die Buslinie aus Gai zum "Zentralen Busbahnhof", 28 sollte es sein. 9:15 verlasse ich die Wohnung. Wenige min später stehe bzw. sitze ich in einer 28. Die Richtung stimmt. Der Bus muss einen Umweg nehmen wegen der gesperrten Brücke. Der Verkehr ist, vorsichtig ausgedrückt, zäh. 10:34 und wir kurven immer noch durch ein Wohngebiet 3 km vor dem Busbahnhof. F*ck! Der Bus scheint außerdem nicht weiter in die richtige Richtung zu fahren, sondern macht hier offenbar kehrt. Aussteigen, durchatmen....
In gut 1 km ist die Ausfallstraße nach Ashtarak. Also dort an eine Bushaltestelle. Etwa 15 min warte ich. Minuten fühlen sich an wie Stunden bei dem dröhnenden Straßenverkehr. Schließlich kommt tatsächlich ein Bus nach Ashtarak. Bauart chinesischer Kleinbus, offenbar für diesen Zweck entwickelt. Anschnallgurte gibt es trotzdem keine. Diese Busse haben eine Liniennummer und einen Fahrplan, also keine klassischen Marschrutkas.
In Ashtarak muss ich durch einen Park. Ein kleines Mädchen schenkt mir plötzlich mit Erlaubnis der Mutter einfach so ihre mittelgroße frische Pizza. Als ob sie meine Gemütslage haben ablesen können. <3 Weiter an die Straße nach Agarak, dem nächsten Ort Richtung Byurakan. Es gibt zufällig eine Bushaltestelle. Wieder ziehen sich Minuten wie Stunden. Es warten einige Leute, aber die meisten lassen sich von Privat-Pkw abholen. Nebenan stehen auch Taxis. 5€ bis Byurakan, na gut. Lada-Rider Nr. 1 bringt mich bis fast hoch zum Ausgangspunkt meiner Wanderung. Angekommen, gut 3h nach dem Beginn meiner Odyssee, für 40 Straßenkilometer.Taxis haben auch oft keine Sicherheitsgurte. Das verkaufen die Fahrer sogar als Feature. .oO Ganz ehrlich: Selbst wenn ich zivilisiert unterwegs bin, in einen schweren Unfall verwickelt werde und die Unfallgegner, nicht angeschnallt, sterben - wie fühle ich mich dann? Sorry, aber das ist einfach nur absolute Dummheit!

10 Minuten später bin ich an der Natur, was mich die ganzen Strapazen vergessen lässt. Und was für Natur!
Am Horizont das Häusermeer von Yerevan.
Ich möchte mir 3,5 km sparen, auch um sicher zu gehen, in Byurakan den Bus um 18:30 zurück nach Yerevan zu bekommen. Ich hatte schon auf dem Hinweg einen breiten einfachen Weg östlich bis an die Autostraße nach bzw. von Amberd entdeckt. Noch bevor ich richtig auf der Hauptstraße angekommen bin, sammelt mich ein älterer Herr mit seinem Lada Niva auf. Er heißt Pego und hat vor 30 Jahren für 3 Jahre in Gelnhausen bei Frankfurt gearbeitet. Allzuviel Deutsch ist nicht hängen geblieben. Aber, ob ich Wodka oder Bier mag. Bier, Ok. Die 1-l-Flasche liegt bereit, ein Metallbecher wird aus dem Handschuhfach gezaubert, alles während der Fahrt. "Trink noch einen!" Ok, wird gemacht.Er lässt mich an gleicher Stelle aussteigen, an der ich heute Mittag aus dem Taxi stieg. Er fährt in 15 min weiter nach Ashtarak, ob ich da auch mit möchte? - Nee, lass' mal lieber. Es sind noch 2 km bis ins Ortszentrum von Byurakan. Ich gehe extra ein Stück eine Nebenstraße, aber als ich wieder auf der Hauptstraße bin, steht der weiße Lada prompt wieder neben mir. "Komm, steig ein!" Es ist völlig klar, dass Widerworte sinnlos sind. Bedrohlich klingt es trotzdem nicht. Wir machen noch einige kurze Zwischenstopps: Am Dorfladen, beim Malztrunk-Verkäufer (der hat seinen Stand im Inneren einer Haarnadelkurve - wie praktisch, dass man die Kurve mit dem Lada 4x4 gekonnt abkürzen kann, auch wenn dann nicht der gesamte Trunk im Becher bleibt :-D ), an der Tankstelle und beim Blumenladen. Bevor wir Ashtarak erreichen, bietet er mir ein Kaugummi an: "Für mich wichtig. Ich habe ja getrunken, Wodka, Bier." Ich habe es befürchtet. Im Blumenladen hat er einen Korb für das Grab seiner Frau gekauft. Will man es ihm übel nehmen? 
Bereits um 18:43 sitze ich in Ashtarak im Bus nach Yerevan. Pass auf dich auf, Pego <3