Freitag, 12. Juni 2026

Inselhopping - über Limnos, Lesbos nach Türkiye

Mittwoch, 10.6.
Limnos ist im Vergleich zu Samothraki eher das, was man sich unter einer typischen kleinen griechischen Urlaubsinsel vorstellt: Viele, auch hochpreisige, Cafés und Restaurants, Souvenir- und Klamotten-Geschäfte, aber auch eine niedliche schmale Fußgängerzone, die teilweise von einem Blätterdach beschattet wird.
Ich bin eh schon 14 Uhr in Myrina, Hafen- und Hauptort, genug Zeit spontan eine Unterkunft zu suchen. Versuch 1: Etwas altmodisch, aber gepflegt. 3-Bett-Zimmer als Einzelzimmer 50€. Kleiner haben sie nicht. Versuch 2: "Wir haben nichts mehr frei. Es ist gerade eine Fähre angekommen." Naja, ich fand die Fähre mit geschätzten 40 Leuten jetzt nicht so voll :-D (was sehr angenehm war). Option 3, direkt nebenan: 50€. Ich: "Ich schaue mir noch 1-2 weitere Hotels an." - "Ok, 40€". Der booking-Preis (ich versuche booking sowieso zu boykottieren!) wären 55€ gewesen, buchbar nur für mindestens 3 Nächte :-D
Zwei Türen weiter ist eine Wäscherei. Die kann ich dringend gebrauchen. 3h später erhalte ich die Wäsche trocken und zusammengelegt für 7€ zurück. Währenddessen war ich am Strand und im Mittelmeer - erstaunt, dass ich keine Liege bezahlen musste, um einen Schattenplatz zu haben: Es gibt ein paar fest installierte Schirme und es war so wenig los, dass ich einen für mich hatte. Die große Festung (14 Hektar), überraschenderweise ohne Eintritt, lädt zu einem Abendspaziergang ein. Neben Ziegen gibt es andere unerwartete tierische Bewohner. Wer findet sie? :
Beim Sonnenuntergang esse ich in einem Bistro an der Promenade (ganz rechts auf dem letzten Bild) einen deftig gefüllten "Crepes". Das scheint in Griechenland so ein Ding zu sein: In Ioannina gab es auch ein Schnellrestaurant dafür. Man kann sich so ziemlich alles da reinpacken lassen :-D

Donnerstag, 11.6.
Kaffee To Go, Kleinigkeiten vom Bäcker, Frisör, Supermarkt, von einem ruhigen Schattenplatz zum nächsten, "Brunch" mit Proviant - so lässt sich auch ein entspannter Vor(Mittag) verbringen. 
Meinen Eiskaffee im letzten Lokal vor der Fähre (800 m) muss ich schnell zu Ende schlürfen: Fast aus dem Nichts erscheint dieser Schornstein mit Schiff darunter, der mich 4h nach Lesbos bringen wird. Die Dinger fahren ausgesprochen pünktlich.
Ich habe schon eine gewisse Routine entwickelt: Zur Ausfahrt und Einfahrt auf das Oberdeck, dazwischen ein Nickerchen in den (etwas übermäßig!) klimatisierten Komfortsessel-Bereichen.
.oO Fähren finde ich auch schon ziemlich cool (an Züge kommen sie natürlich nicht ganz heran ;-) ). Nur umweltfreundlicher müssten sie werden! Trotz der riesen Größe: Abgasreinigung kann der Schornstein wohl nicht: Die Blue Star Myconos zieht eine besonders "schöne" Feinstaub- und Schwefel-Wolke hinter sich her :-( Dabei ist im Gegensatz zum Flugzeug eine Defossilisierung von Fähren gut möglich. Schiffe, die elektrisch fahren, werden mittlerweile immer größer: Die derzeit längste E-Fähre übertrifft die Myconos sogar um ein paar m.

Mytilini, Hauptstadt von Lesbos, ist eine richtig große Stadt, verbunden mit entsprechend nervigem Verkehr. Sicherlich die bisher größte Stadt für mich auf einer griechischen Insel. Wenig touristisch, aber mit vielen Kneipengassen.Erster Versuch einer Unterkunft: Ein kleines Self-Check-In-Hotel. booking-Preis: 81€. Am Telefon geht niemand ran. Also in eine andere Gasse, in der es mir bei Mapy mehrere Unterkünfte angezeigt hat. Versuch 2: Der Gastwirt will 30!€ von mir. Das ganze Haus ist irgendwie gerade Baustelle. Mich erwartet aber ein gepflegtes 3-Bett-Zimmer. Das Bad ist etwas rustikaler, aber hinreichend sauber. booking-Preis wären 42€, aber für diese Nacht überhaupt nicht verfügbar :-D
Dass das Zimmer erst in einer Stunde fertig ist stört mich wenig, es ist eh längst Abendessen-Zeit. Anschließend gehe ich noch in einen Irish Pub, den ich vorhin unterwegs entdeckt hatte, noch geschlossen. Toll, dass er jetzt geöffnet hat. Cooler Gastwirt :-)

Freitag, 12.6.
Die "Türkei-Fähre" geht erst 17:30. Ich sehe mich nicht 6-7h in Mytilini abhängen und lasse mir von ChatGPT ein ruhiges grünes Dorf empfehlen. "Sein Favorit" ist Agiasos, 26 Straßen-km entfernt und immerhin 450m hoch gelegen. Praktisch: Da fährt sogar der KTEL-Bus hin. Die letzte Rückfahrt um 13:00, also leider nur ein 2-stündiger Aufenthalt, plus 2x 45 min in klimatisierten Reisebussen - in der Mittagshitze gern!
Ich entdecke einen kleinen Pavillon (Bildmitte auf dem Hügel)Eigentlich ist es nur ein Glockenturm, wie sich oben herausstellt. 1,5km Fußweg bergan, hälftig im Schatten durch Olivenhaine und Nadelwald. Hinter dem Türmchen ist auch eine Burgruine, leider alles abgesperrt.Mir bleiben nur noch 30 min für das eigentliche Örtchen. Touristisch, aber kein riesen Trubel. Schöne Lädchen. Ein "Vollkornbaguette" und ein regionaler Ziegen-Schafskäse sind meins :-)

Ich kann direkt am Hafen aus dem Bus steigen. Mittagspicknick im Park unterhalb der Burg von Mytilini. Die wird natürlich noch besichtigt, Bernie steht ja auf alte Mauern, vor allem die mit Zinnen :-)
Aber es gibt auch eine Krypta, eigentlich der beste Platz um dieses Tageszeit ;-) und eine Zisterne, in der tatsächlich noch Wasser ist. Genial, wie das hier halllt!

Endlich Zeit für einen Eiskaffee. Die Fähre nach Aliaga ist, so wie die von Chios nach Cesme, eine reine Personenfähre. Es wirkt etwas kurios, dass alle Türkei-Fähren nur so kleine Dinger sind. Aber so ist das nun mal: Güter über die Grenze nehmen den Landweg, die griechischen Inseln werden vom eigenen Festland aus versorgt.
(Das ältere Pärchen mit den Rucksäcken sind im Übrigen Schweizer, die zum zweiten Mal auf dem See- und Landweg in den Kaukasus reisen!)

Von Aliaga fährt bereits die IzBa(h)n :-D (sic!) die rund 50 km bis Izmir. Es gibt einen (angeblich?) kostenlosen Shuttlebus vom Hafen zur Bahnstation. Als ich bereits abgelehnt habe und munter losspaziere merke ich: Ups, das sind ja 4 km! Hatte 1,5 in Erinnerung. Wer weiß, was Google Maps mir da angezeigt hatte. Bei Mapy gibt es in Aliaga nicht mal einen Fährhafen :-(
Schöne Küstenpromende, sogar mit einer Tartan-Laufbahn. Nur die nahe Hauptstraße nervt etwas.
Die nächste Bahn geht zufällig in 4 min. Einfach die Kreditkarte ans Gate, wie bei der hochmodernen Ost-West-U-Bahn, funktioniert hier nicht. Der Automat ist kaputt, also an den Schalter - gerade noch geschafft :-) In Izmir geht's ins Lotus Garden Hostel unweit des Bahnhofs Basmane (dem "Hauptbahnhof") - Zweiter Ort der Rückkehr auf dieser Reise.


Zeit für ein kurzes Griechenland-Resümee
+ In Lokalen bekommt man zu jeder Bestellung, und wenn es nur ein Espresso ist, mindestens ein großes Glas Wasser, meist sogar eine 1-l-Flasche
+ Wenn man die richtigen Lokale findet, sind die Preise dezent, bis runter auf 1/3 der deutschen Preise. An Touri- oder besonders hippen Plätzen dagegen auch gerne mal Heidelberg-Preise
- Wie schon in Serbien sind alle Gärten sehr gut gepflegt. Das hat aber seinen Preis: Das Mittel der Wahl heißt: Motorsense! Das Dröhnen dieser Dinger verfolgt mich seit Serbien und hat den einen oder anderen gemütlichen Abend auf dem Balkon/im Garten zunichte gemacht.
o Englisch kann man, auch von jungen Leuten, eher nicht erwarten. Irgendwie kommt man trotzdem zurecht :-)

Was ich bis jetzt am meisten vermisse: Mein Haferflocken-Frühstück! :..-(
Klar kriegt man Haferflocken, aber mit der (Hafer)Milch ist es logistisch schwierig, sie immer (ungekühlt) mitzuschleppen, zumal ich in etwa jeder zweiten Unterkunft eh Frühstück geboten bekomme, aber eben ohne Müsli oder Porridge.