Donnerstag, 16. Juli 2026

Mingrelien und Oberswanetien - Zugdaddy in Zugdidi

Mittwoch, 15.7.
Raketenwissenschaften ;-) : Die Linienverläufe laufen wechselnd in georgischer und lateinischer Schrift durch. Und das in der 134.000-Einwohner-Stadt Kutaisi. (edit: Selbst in Poti gibt es sowas.)Die erste Klasse in den Fernzügen lohnt sich übrigens für längere Fahrten: 2+2 statt 2+3-Bestuhlung. Es gibt auch Business-Class, aber ich glaube, das einzige Plus ist, dass man sicher einen Platz an einem großen Tisch hat.
Zugdidi ist gar nicht mal so klein (43.000 EW). Begrüßt werde ich von einem riesen Straßenmarkt. Der scheint hier jeden Tag zu sein.Die Hotelsuche ist schnell ein Erfolg: Am Ende des Marktes gibt es eine Fußgängerbrücke über den Chkhoushi. Hier beginnt ein, ich würde sagen, gehobenes Wohnviertel. Am Rand davon liegt ein ordentliches Hotel. Einzelzimmer 27€. Georgische 4*, ich würde auf jeden Fall 3 geben. Ich genieße das große Zimmer mit der hohen Decke und nutze es alle Klamotten zu lüften und zu sortieren. Es ist schon 15:30 - ich entscheide nur zum Essen das Hotel nochmal zu verlassen. Das tue ich schon gegen 18:00. Diese moderne Kathedrale (Baubeginn 2009) hat mich angelockt, allerdings ohne zu ahnen, dass dort heute ein Fest stattfindet.Wie ich später nachlese: Das Vlakernoba-Fest (auch Fest des Gewandes der Mutter Gottes genannt): Dieses orthodoxe Christenfest wird jedes Jahr am 15. Juli gefeiert und ist eines der bedeutendsten religiösen Ereignisse in Mingrelien. An diesem Tag wird das heilige Gewand der Jungfrau Maria, das im Dadiani-Palast (heute Museum) aufbewahrt wird, feierlich aus dem Turm geholt und in die Kathedrale, zur Ikone der Mutter Gottes der Blachernae, getragen. Gläubige aus aller Welt können das heilige Relikt nach Abschluss der göttlichen Liturgie verehren. Das Gewand muss schon angekommen sein - von einem Umzug bekomme ich nichts mit. Auch traue ich mich nicht in die Kirche - einfach zu voll. Es regnet ziemlich. Restaurant finde ich keines, dafür ein hübsches verstecktes Café mit einer schier unglaublichen Kuchen- und Torten-Auswahl. Ok, warmes Essen kann warten :-D Wieder draußen, kommt sogar die Sonne raus. Restaurant: Immer noch kein gescheites. Am Straßenmarkt hat zum Glück noch ein Bäcker geöffnet und verkauft mir den letzten Käsefladen. Kaltes Abendessen auf der Hotelterrasse, auch i.O.

Donnerstag, 16.7.
Check-Out 12:00 - das koste ich natürlich gerne aus. Nun auf zum oben schon genannten Dadiani-Palast. Hier gibt es noch 3 weitere Gebäude zu besichtigen: Einen modernen Bau, der eine Bücherei und im Keller eine Gemäldeaustellung beherbergt (ausschließlich georgische Künstler aus dem 20. Jahrhundert), den Prinz Niko Palast (darin: Porzellan und Gemälde aus dem Besitz der Familie Dadiani) und eine Kirche aus dem 19. Jahrhundert. In dem Haupt-Palast gibt es archäologische Funde, religiöse Exponate, verschiedene aus Europa mitgebrachte Haushaltsgegenstände und Waffen und eine von Napoleons Masken (insgesamt existieren 3).
Nebenan liegt der botanische Garten. Nachdem ich den in Kutaisi auch schon kenne, würde ich botanische Gärten hier eher als Stadtwälder mit sehr vereinzelten exotischen Pflanzen beschreiben. Aber für 1,70€ Eintritt will man nicht meckern. Die Zeit reicht noch, meinen Lieblingsort in Zugdidi nochmal aufzusuchen: Das Café von gestern. Es will noch ein anderer Kuchen probiert werden :-D

In Senaki habe ich 3,5h Umstieg. In diesem schicken Bau startet zufällig heute das International Youth Festival of Regional Theater. Leider keine englischsprachige Aufführung, schade.Etwas verstörendes großes Kunstwerk im zentralen ParkSchon auf dem Herweg hatte ich einen Aussichtspunkt entdeckt, etwa 3 km vom Bahnhof. Mapy kennt den nicht :-( Etwas unschlüssig, ob ich trotzdem in die Richtung wandern soll, entdecke ich zufällig einen Wegweiser! Der führt zwar zu einem anderen Aussichtspunkt (nur 900m entfernt), aber immerhin! Von hier kann ich einmal mehr die genaue Lage des großen Christuskreuzes (hinten) ausmachen.Ich muss noch 1x Hilfe von einer Spaziergängerin mit Sohn in Anspruch nehmen, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Was für ein toller Platz!Wieder unten in der Stadt: Mit richtigen Restaurants sieht es auch hier schlecht aus. Frisöre, Blumenläden, Bäckereien, Konditoreien, Supermärkte, Drogerien (die nennen sich hier "Pharmacy"), ... aber für warmes Essen gibt es nur Dönerläden. Immerhin machen manche davon auch Khachapuri. Das ist zwar das gleiche, was ich gestern hatte, dafür heute in frisch und heiß :-)
Ich habe ein Tinyhouse über AirBnB gebucht, 3 km vom Bahnhof Poti. Der Inhaber heißt Ilya, aus Russland, und lebt seit 4 Jahren in Poti. Sehr praktischer Zufall, dass er einen weiteren Gast empfängt, bei sich zuhause, der mit dem gleichen Zug kommt - so kann er uns gleich beide abholen. Zumal es schon 23:00 ist und gerade regnet.