Frühstück gibt es im Tiberi-Haupthaus. Gastgeber und Gastgeberin bieten auch Shuttle an, da sie morgens sowieso bei den Kühen sind/die Unterkunft vorrichten. Ich verzichte gerne und genieße den morgendlichen Spaziergang durch die tolle Natur, das Dorf und über meine Brücke (sie nutzt aktuell ja wirklich niemand außer mir).
Am Haupthaus sind 3 polnische Familien (mit Kindern im Teenager-Alter), die mit großen Camping-Jeeps unterwegs sind (auf Straßenwege von Stettin her angereist, innerhalb 1 Woche!).
Ich lasse mir nochmal Zeit in der Unterkunft. 12:30 breche ich auf, zu Fuß zum touristischen Highlight der Region: Der Höhlenstadt von Wardsia. Das war im 12. Jahrhundert wirklich eine Stadt, bestehend aus 3000 Wohnung für bis zu 50.000 Menschen. Mehrfach durch Erdbeben zerstört, sind es jetzt immer noch beeindruckende 750 Räume.
Ich hatte irgendwie 4km Weg im Kopf, tatsächlich sind es aber mindestens 6,5km und so einige Höhenmeter. Dafür entdecke ich noch ein ungeahntes Highlight. D.h., gesehen hatte ich die Burgruine Tmogvi schon längst, sie befindet sich ja fast direkt oberhalb meiner Unterkunft. Sie zu bewandern macht riesen Spaß. Ein bisschen wie eine Gipfelbesteigung in den Alpen: Wenn man denkt, es geht nicht mehr weiter, tut sich doch wieder ein Weg auf. Wenn man keine Angst vor Höhe und minimalen Kletterpassagen hat, kann man das gesamte Areal, was sich etwa 500m lang auf dem Bergkamm erstreckt, erobern. Ein bisschen egoistisch bin ich ja schon: Traumhaft, dass ich das alles für mich alleine habe!
In Wardsia angekommen, 15:00, stelle ich fest: Die Höhlen sind noch bis 19:00 geöffnet. Wunderbar! Dann erstmal ein warmes Mittagessen, sogar mit Sitzplatz direkt am Fluss Kura. Das hat auch den Vorteil, dass der Massenstrom an Touris inzwischen durch ist und es jetzt ab und an bedeckt ist (die Sonne ballert(e) heftig heute).
Die Höhlen sind wirklich cool, vor allem die Gänge, die tief ins Innere führen. Es gibt auf jeden Fall eine Menge Ungeahntes zu entdecken, ich halte mich insgesamt fast 2 Stunden auf. Auf dem "Rückweg" verirre ich mich fast im dem Gewirr von Wegen auf den verschiedenen Ebenen und gerate dabei wohl in Gefilde, die einmal mehr den Schwalben gehören: Sie fliegen ein paar "Drohangriffe" auf mich.Zurück, an der Hauptstraße, halten für mich zwei junge Frauen in einem modernen SUV. Sie waren nicht bei den Höhlen, sondern einfach spazieren, weiter südlich. Die eine spricht ziemlich gut Deutsch und fliegt in 20 Tagen wieder nach Deutschland, konkret nach Vaals, bei Aachen (eigentlich schon in den NL), "Ferienjob".
Als ich auf "meinem" Balkon sitze, schaut plötzlich jemand um die Ecke, eine weitere Person folgt. Es ist ein französisches Pärchen, die für eine Nacht das andere Zimmer hier im Farmhouse gebucht haben. Sie wussten auch nichts davon, dass sie besser erstmal im "Haupthaus" hätten aufzukreuzen sollen. Auf dem Weg zurück ins Dorf bringen sie 8! Flaschen Bier mit (sie sind mit dem Auto), dagegen nichts zum Abendessen :-D Ich teile meine Reste mit ihnen, nehme dafür noch eine (weitere) Flasche Bier und wir plaudern noch ein bisschen.
Samstag, 11.7.
Man hört hier bei geschlossen Fenster übrigens nichts. Wirklich nichts. Ich schlafe aber gerne bei geöffnetem Fenster (Mückengitter gibt es) und genieße das leise Rauschen des Flusses und gelegentliches Bellen der Hunde, meist in der Ferne.
Beim Frühstück: Die Polen sind weg, dafür ein französisches Pärchen, auch mit einem krassen Offroad-Camper, und zwei Deutsche+der Freund der einen, vermutlich Japaner oder Koreaner. Sie sind nur eine Nacht hier und wollen noch eine Reittour mit dem Sohn des Gastwirts machen. Die Pferde müssen dazu erstmal eingefangen werden, da sie frei in der Gegend umherlaufen. Apropos, die Kühe laufen hier jeden Abend einfach mitten durch den Ort, die Hauptstraße entlang.
Ich gehe heute nicht wandern - meine Haut (Sonne!) wird es mir danken. Auch verspreche ich mir nicht so viel vom Weg nur im Talgrund entlang (bis zur Burg Khertvisi).
Es dauert ein Weilchen, bis ein Auto für mich hält. Vorher treffe ich noch ein französisches Fernradlerpärchen (in Frankreich gestartet). Jetzt kann ich mal anderen helfen: Ihr Proviant ist aufgebraucht und sie haben noch keine Lari. Ich tausche ihnen gerne 10€, damit sie sich im Dorfladen endlich etwas holen können. Damit bin ich zwar fast blank, aber meine "Mission" ist heute sowieso: Nach Aspindza, dem Zentrum der Region. Nur dort gibt es Geldautomaten.
Bis zur Burg nimmt mich ein recht junges Schwedisch-Belgisches Pärchen mit. Sie, die fährt: "Ich habe die Nacht davon geträumt, einen Anhalter mitzunehmen, und jetzt nehme ich tatsächlich zum ersten Mal einen mit." :-)
Vor dem Touri-Café unterhalb der Burg nimmt mich eine schick gekleidete Dame in ihrem Toyota Aqua (ein viertüriger Kleinwagen, Rechtslenker) mit bis Aspindza.
In Aspindza gehe ich noch kurz an den Fluss, auf der Suche nach einer Badestelle - auch hier gibt es sowas nicht - und zum Mittagessen in das Restaurant - mit Aussicht - eines richtig großen modernen Familien-Hotel-Komplexes.Ich hätte zurück auch eine Marschrutka genommen, aber am Abfahrtspunkt in der Ortsmitte ist noch keine in Sicht.Ich laufe nochmal etwa 1km durch Anwohnerstraßen (genauso dörflich wie in den kleineren Orten)..und versuche dann unweit einer Tankstelle nochmal mein Glück. 3 junge Kerle in einem komischen asiatischen Kastenwagen, auch ein Rechtslenker, nehmen mich mit bis Khertvisi. Dem Vernehmen nach Armenier - können kein Englisch - aufs Kennzeichen hatte ich nicht geschaut. Viel Verkehr ist hier nicht Richtung Tmogvi bzw. Wardsia. Erstmal ein Eiskaffee im Touri-Café. Dort lerne ich eine neugierige freundliche russische Familie kennen. Der Sohn kann Brocken Englisch, die Tochter ein ganz klein wenig Deutsch.
Anschließend hält für mich ein Russisch-Rumänisches Pärchen (Fernbeziehung, sie lebt in Batumi), die gutes Englisch sprechen. Kurzweilige Fahrt wieder einmal! Direkt unterhalb meiner Brücke finde ich immerhin noch einen Platz zum Wassertreten und genieße anschließend den noch frühen Abend hier in der Einsamkeit.