Sonntag, 26. Juli 2026

RPPS 760mm Bansko Pirin

Freitag, 24.7.
Die Lage ist eindeutig: Die Haut rund um meinen Zeckenbiss (noch aus Armenien) ist eskaliert. Borreliose. Antibiotikum muss her. Einfach zu einem Arzt in Bulgarien? No Chance. Notaufnahme vom Krankenhaus in Burgas? Eine Urlaubserfahrung, die ich mir nicht wirklich geben muss. Mein Hausarzt in Heidelberg bzw. seine Sprechstundenhilfe unterstützen sogar, und das freitags 12:30: Ich bekomme ein Fotos eines gedruckten Rezeptes per Mail. Aber auch damit will mir die Apotheke in Sarafovo nichts aushändigen: "Das Rezept muss von einem bulgarischen Arzt sein." Parallel hatte ich einen Online-Arzt gebucht. Der schickt mir schließlich ein "EU-Rezept" mit RPPS-Nummer: Das akzeptieren die Apothekerinnen.
18:00 nehme ich schließlich noch den Bus nach Burgas, erkunde die Stadt mit Hafen und Strand und gehe abendessen, als es bereits dunkel wird.
Bulgarien: Überall diese nervigen hunderte m langen Fußgänger-Sperren. (In Sofia setzt sich das fort.) Die spinnen doch! :-( Schon aus Prinzip quere ich zum Teil trotzdem dort - kein Hindernis für Backpacker.

Samstag, 25.7.
Weiter ins Landesinnere Bulgariens. Bis vor ein paar Tagen noch nichtsahnend habe ich die Rhodopenbahn gebucht, für die zweite Hälfte meiner heutigen Strecke. 119km auf einer Schmalspurbahn: Spurweite: 760mm (zum Vergleich: DB & Co., Mitteleuropa: 1435mm, rnv: 1000mm). Also eigentlich nicht viel größer als eine Lehmann-Garten-Bahn :-D
Aber hey, bequeme Wagen, sogar mit Steckdosen. Meine Fahrt darin dauert aber auch 4,5h :-D Auf einem Abschnitt: Schleifen und Kehrttunnel wie auf der Šargan Eight in Serbien, nur dass die Züge hier im Regelbetrieb fahren und auch von Einheimischen ganz gut genutzt werden! Pünktlich 17:00 sind wir in Bansko. Ein Wintersport-Ort. Sehr touristisch, aber hübsche Architektur. Auch jetzt im Sommer ist gut etwas los.
Es gibt die Tage auf dem Hauptplatz sogar ein kleines kostenloses Rockfestival!

Sonntag, 26.7.
Irgendwie muss ich natürlich noch in die Berge, konkret, dass Pirin-Gebirge. Um 8:30 gibt es einen Bus (Mercedes Sprinter), der wanderfreudige Touris für 8€ bis zur höchsten per Straße zu erreichenden Hütte bringt. Himmel, ist hier was los! Der Straßenrand ist schon einen km vorher zugeparkt.Aus Zeit- und Gesundheitsgründen habe ich eine kleine Runde vorgesehen, nur etwa 1km bergan....dann 5 km gemütlich abwärts, zur Bergstation einer Seilbahn. Die überbrückt gar nicht mal so viele Höhenmeter, aber immerhin 6km Luftlinien-Distanz. Dass die Einzelfahrt mit 24€ nur 3€ weniger kostet als hin und zurück finde ich schon ein bisschen frech. Aber das war die absolut praktischste Lösung um wenigstens 2,5h dieses Gebirge zu erleben.
Nächstes Ziel der Reise: Rila. Dazu erstmal westlich runter in das Tal des Flusses Struma. Darin verläuft auch die Bahnlinie Petrich-Sofia.
Bansko hat keinen Busbahnhof. Ich plane von Anfang an mit Trampen, auch wenn es 40km sind. An der ersten Haltebucht an der Ausfallstraße, noch mitten im Ort, hält ein junges Pärchen mit einem neuen kleineren Ford SUV (vermutlich Mietwagen). Grund ihres Stops: Sie versuchen gerade Smartphone und Auto zu koppeln, um bequem navigieren zu können. "Naja, steig erstmal ein." Ein Fussel im USB-Port scheint die Fehlerursache zu sein. Sie haben keinen spitzen Gegenstand. Ich aber! .oO War da nicht irgendwo eine Sicherheitsnadel? Problem behoben, Navi läuft, wir sind ein Team. :-) An einer Tankstelle laden sie mich sogar noch auf einen Kaffee ein <3
Die beiden, 23+28, aus Bulgarien, leben seit 4 bzw. 10 Jahren in Aarhus ("da kann man gut studieren") und sind gerade für 2 Monate in Bulgarien.
Ich muss noch 2 km zum Bahnhof Simitli laufen. So sehen da Innenstadt (oder -dorf?) und der Bahnhof! aus.
30 min Zug bis Kocherinovo. Was ich mir dabei wohl gedacht habe, an diesem Bahnhof auszusteigen?!Er ist 2,5 Fuß-km bzw. 3,5 Auto-km vom Ort entfernt. Von Kocherinovo sind es nochmal 7,5km bis zu meinem Endziel Rila.
Menschenleer ist der Bahnhof nicht: Natürlich die Bahnhofsvorsteherin, und zwei junge Französinnen, die seit 1h darauf warten von ihren Wwoofing-Farm-Leuten abgeholt zu werden. 
Ich trete den Fußweg an: Die Landstraße am Talrand entlang, zum Abzweig nach Kocherinovo und Rila. Am Abzweig nimmt mich direkt ein älterer Herr im B-Corsa die 2km bis Kocherinovo-Ortskern mit. Erstmal ein Eiskaffee. Dann weiter Richtung östlichem Ortsrand. Niemand stoppt. Eine Tankstelle: Nichts los. Schließlich lande ich an diesem Ort, in Google Maps als Junk Museum eingetragen. :-D
Gegenüber kann ich mich hinter einer grünen Blechhütte vor der sengenden Sonne verstecken, wenn gerade kein Auto in Sicht ist. 6,5 km sind es noch. Aber bei der Witterung immer an der schnurgeraden Landstraße entlang - echt nicht.
Nach 45 min rufe ich einen Kumpel an. Während unseres Telefonats gehe ich zurück zur Tankstelle.