Samstag, 1. August 2026

Bulgarisch Luxembourg

(weiter) Donnerstag, 30.7.

Das ist mein Eindruck von Veliko Tarnovo, als ich mir die Topographie auf der Karte näher angucke. Dieser Eindruck bestätigt sich auch vor Ort: Die Stadt erstreckt sich in und um die Schlingen des Flusses Yantra, der hier ein tiefes Tal gebildet hat. Eine Festung hat sie auch. Nur die Eisenbahn könnte etwas präsenter sein :-D Es gibt nur eine Bahnlinie. Sie verläuft tief unten im Tal. Dementsprechend liegt der Bahnhof etwas abseits - 2,7km Fußweg zum Hostel wären es. Da ist der Stadtbus gerne willkommen, der mich zumindest 1km ins Zentrum bringt: 0,77€, zahlbar bei einer Schaffnerin. Hier fahren im Übrigen einzelne Frankfurter, VRN- und rnv-Busse, an den Farben noch klar zu erkennen. Bevor ich die letzten Meter zu Fuß antrete gehe ich direkt abendessen. Es ist ohnehin schon fast 20:00.

Freitag, 31.7.

Nach einem gemütlichen Vormittag im weitläufigen Hostel (einem historischen bulgarischen Wohnhaus) gehe ich einen Kaffee trinken (hier im Hostel gibt's nur Limo mit Eiswürfeln :-D ).

Dabei erspähe ich direkt die Festung. Sie sieht für mich einfach zu einladend aus, um sich nicht direkt auf den Weg zu machen.Ich gehe es gemütlich an. Der (fast noch) Mittagshitze kann man zum Glück an einigen schattigen Plätzen entfliehen: Inzwischen ist auch "bei mir hier" die 30°-Grenze dauerhaft gebrochen.Auf der anderen Flussseite gibt es einen Stadtwald. Auf dem Weg dorthin passiere ich den modernen, aber zur Zeit ausgestorbenen Uni-Campus. Ich ende nahe des Zentrums. In dieser Flussschleife befindet sich dieses sozialistische Denkmal und das Gebäude, das an eine Kathedrale erinnert, aber ein Kunstmuseum beherbergt.

Samstag, 1.8.

Veliko Tarnovo (60.000 EW) hat sogar eine tägliche Free-Walking-Tour. Warum sie die auch im Hochsommer um 11:00 starten lassen, ist natürlich fraglich. Mit entsprechendem Sonnenschutz wird es schon gehen. Die Neuseeländerin aus meinem Zimmer lässt sich jedenfalls auch nicht abschrecken. Dritte und einzige weitere Teilnehmerin: Eine ältere Taiwanesin, auch aus unserem Hostel.

Sozialistische Kunst - es gibt mehrere dieser WandgemäldeDie eigentliche Altstadt. Das linke Gebäude wurde im italienischen Stil errichtet. Ein amerikanischer Investor hat es aufwändig sanieren lassen. Dahinter Gebäude im bulgarischen Stil.

Veliko Tarnowo war im Zweiten Bulgarischen Reich (1185–1396) Hauptstadt, mit der Festung als Regierungssitz. Die Festung wurde im Übrigen erst in den 80er-Jahren, auf archäologischen Funden basierend, (wieder) in den heutigen Zustand versetzt. Hier und da fällt der Einsatz von Beton auf, aber ich finde, es wurde ganze Arbeit geleistet.

Auch in jüngerer Zeit hatte die Stadt politische Bedeutung: Dieses Haus war ursprünglich osmanisches Regierungs-/Polizeigebäude. Nach der Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft wurde hier 1879 die Verfassung und damit die moderne bulgarische Staatsgründung beschlossen.

Abends zur Dämmerung trifft sich fast die gesamte Hostel-Gästeschar auf der Terrasse der benachbarten Kirche. Hier hat man einen guten Blick auf die gesamte Festung, die jeden Samstagabend als Kulisse für eine beeindruckende Lichtershow dient (besseres Foto habe ich leider nicht zu bieten). Anschließend gehe ich noch mit etwa der Hälfte der Gang Richtung Innenstadt, wo wir uns alle ein Eis gönnen.