Noch nie so einen dunklen Bahnhof erlebt: Die Scheinwerfer meines Zuges sind die einzigen Lichter, die die Bahnhofshalle des sozialistischen Empfangsgebäudes von Silistra erhellen (Foto vom nächsten Tag). Praktisch, dass es nur 400m zu meinem Hotel sind.
Von Varna nach Constanta (das zweite t hat einen Unterstrich und wird damit zum z) entlang der Schwarzmeerküste wären es nur 150km gewesen, mit dem Bus! Langweilig! Lieber nochmal eine 400km-Runde durch das Inland mit dem Zug. 15km Bahnstrecke sind durch die Donau unterbrochen.
Donnerstag, 6.8.
Silistra wurde 29 n. Chr. von den Römern als Durostorum gegründet. Der slawische Name: Drastar. Warum die Stadt ihren türkischen Namen behalten hat, keine Ahnung. Heutzutage leben hier 27.000 Menschen.
Das Hotel war ausgesprochen günstig, daher habe ich mir gleich 2 Nächte gegönnt. Ich mache Chill-Tag im klimatisierten Hotelzimmer, zwischendurch kurzer Einkauf im benachbarten Kaufland. 18:00 starte ich schließlich einen Stadtrundgang und finde nach dem Abendessen sogar den perfekten Platz zum Sonnenuntergang über der Donau.
Freitag, 7.8.
Ich dachte, ich werde die Grenze nach Rumänien auf dem Wasser (Donaufähre) überqueren. Tatsächlich biegt die Grenze aber genau hier leicht südlich ab und folgt zum Schwarzen Meer nicht mehr dem Verlauf der Donau. Es gibt also einen klassischen Straßen-Grenzposten, der auch noch besetzt ist. Die rumänische Zöllnerin stellt Fragen und nimmt meinen Pass unter die Lupe. Also brechen nicht nur wir Deutschen das Schengen-Abkommen. Allerdings sind Rumänien und Bulgarien erst seit anderthalb Jahren im Schengen-Raum.
Auf einer Website zu der Fähre stand "Plattform". Ich dachte das ist bestimmt ein Übersetzungfehler, aber seht selbst :-D
Da die linke "Plattform" außer Betrieb genommen wurde (ich glaube die Kassiererin hat etwas von Motorschaden gesagt) stehen dutzende Autos in der Schlange. Jedes Dritte mit deutschem Kennzeichen! Darunter aber auch 2 Jungs aus Kärnten mit einem bald 40 Jahre alten Toyota-Kombi, mit dem sie schon 3000km durch den Balkan abgespult haben.
Ich bin als Fußpassagier natürlich fein raus und kann auf die nächste Fähre.
Eine riesen Kuhherde nimmt ein Bad in der DonauCool, neben mir steht ein Auto mit Hannover-Kennzeichen, ein modernes Volvo-SUV. Schließlich traue ich mich den Herren anzusprechen. Natürlich mit Hintergedanken ;-) : Die ersten 5km vom Fähranleger Richtung Călărași, der Stadt mit dem nächsten Bahnhof, durchs Nichts entlang der Landstraße, möchte ich nun echt nicht gehen. Der SUV-Besitzer wohnt seit zwei Jahren in Anderten und fährt Lkw bei einer deutschen ("und nicht türkischen", wie er betont) Spedition, meist zwischen Hannover und Berlin. Seine Frau und er reisen jetzt nonstop durch bis Hannover! Rumänien wollen sie in 6h hinter sich gelassen haben. Sein Deutsch ist trotzdem nicht gut genug verstanden zu haben, dass er mich gleich beim ersten Abzweig hätte rauslassen sollen. Dann eben mit Translate. Der nächste Abzweig von der Umgehungsstraße nach Călărași liegt 6km nördlich vom Zentrum. Es hat mir trotzdem unglaublich geholfen. Erstmal 2,5km zu Fuß. Petrus spielt mal wieder mit und es ist leicht bedeckt - keine pralle Sonne. Auch super: Ab dem Stadtrand gibt es eine Buslinie. Ich habe logischerweise noch keine rumänischen Lei, die die Schaffnerin im Bus haben möchte. Freundlich lächelnd gibt sie sich aber auch mit meinen zwei 50Cent-Stücken zufrieden. Jetzt habe ich sogar noch etwas Zeit die ruhige, grüne, moderne Innenstadt zu erkunden.
Constanta: Geil, endlich ist man als Fußgänger nicht mehr wie ein Kaninchen eingesperrt, sondern darf "einfach so", Vollbremsungen und Auffahrunfälle verursachend, vollkommen waghalsig über die Straße ;-) Die Bulgaren wären wahrscheinlich hoffnungslos überfordert. Sorry :-D ( Anspielung auf Link (2. Absatz))