Montag, 25. Mai 2026

Gödöllö und die Hauptstadt Serbiens

Samstag, 23.5.

Was bitte ist Gödöllö? Eine Kleinstadt mit gut 30.000 Einwohnenden, 25 km nordöstlich von Budapest. Ein guter Freund hat hier etliche Bekannte. Die Mutter von Rafa, einem davon, lässt mich bei sich übernachten - vielen lieben Dank! <3

Die Transportvariante nach Gödöllö ist ein echtes Highlight für mich. Stromspannung: 1100 V, das hatte mich auf openrailwaymap stutzig gemacht - muss etwas Besonderes sein. Tatsächlich sind die Triebwagen Baujahr 1976, Kombinat VEB Lokomotivbau, Hennigsdorf, wie eine Plakette verrät.

In Gödöllö gibt es ein Barockschloss, angeblich eines der größten Ungarns. Wenn man Schwetzingen und Mannheim kennt, denkt man sich: Groß ist etwas anderes. Aber schön, dass es aufwändig restauriert wird, Schlosspark obendrein. Erst später, als ich zum länger Verweilen den Elisabeth-Stadtwald aufsuche, verstehe ich den Hype um das Schloss: 1867-1916 genutzt von Franz Joseph I. und Königin Elisabeth ("Sisi").

20:15 treffe ich auf Maria, die Mutter von Rafa. Dann: Die große Überraschung: Es war eigentlich klar, das Rafa und ich uns verpassen werden, und er erst in mehreren Tagen aus Mannheim nach Gödöllö kommt. Und zwar nicht nur zu Besuch: Er zieht gerade zurück nach Ungarn. Das Schicksal wollte es, dass er den Umzug vorziehen musste - auf heute! Außerdem sind sein Bruder Gabor und er mit dem Transporter erstaunlich gut durchgekommen (heute morgen um 07:00 in Mannheim gestartet!), so dass die beiden es schaffen, genau zum Abendessen im Restaurant zu sein. Was für ein grandioses unverhofftes Wiedersehen!

Sonntag, 24.5.

Die Neubaustrecke Budapest-Belgrad ist noch im Bau und bisher nur auf der serbischen Seite eröffnet. Deswegen fährt man einen Umweg über Szeged und dann mit einem Dieselzug (unter Fahrdraht, der offenbar auch noch nicht funktioniert) nach Subotica (Serbien). Auf diesem Abschnitt beim Grenzhalt (40 min, das Personal kommt in den Zug) lerne ich Anne aus Wiesbaden kennen. Sie bleibt mehrere Tage in Belgrad, will dann aber auch weiter nach Montenegro. Mal schauen, ob es dort mit einem Wiedersehen klappt.

Im "Hochgeschwindigkeitszug" ab Subotica (Alter, das ist ein Stadler FLIRT, in Hannover die S-Bahn! - vmax = 160 km/h) sitzt eine gesprächige reiseverrückte Kanadierin neben mir, die gestern Abend mit einem Nachtzug in Bukarest gestartet ist und mir schon Tipps für meine "Rückreise" geben kann.

In Belgrad haben sie den alten Kopfbahnhof in Zentrumsnähe, an der Save, mit einem riesen Gleisfeld, abgerissen und ein gigantisches Neubaugebiet daraus gemacht. In Heidelberg heißt das ja Bahnstadt, hier Belgrade Waterfront :-D Hatte ich gesagt, Bratislava Downtown ist beeindruckend? Das hier ist eher ein Billionen- statt Millardengrab!

Der neue Hbf, keine Ahnung, warum sie ihn Center genannt haben, liegt am A*sch der Welt. O-Bus 200 m, Tram 900 m, Ausschilderungen: Fehlanzeige! Vielleicht gibt es eine Öffi-App, aber auf derlei Aufwand habe ich bei nur einer Nacht Aufenthalt keine Lust. Ich bevorzuge ja immer Straßenbahn, nicht nur, weil sie auf Schienen fährt, sondern auch, weil meist relativ klar ist, wie die Linien verlaufen. Ich frage eine junge Dame, wie das mit dem Ticket läuft (auch dazu absolut keine Informationen oder Vorrichtungen ersichtlich): "90% don't have a ticket. I didn't say that" :-D Also gut. Die Straßenbahn nimmt mir eh nur gut 1 km ab, da dann wegen fortwährendem Ausbau von Belgrade Waterfront die Strecke gesperrt ist und sie in die falsche Richtung abbiegt.

HostelChe ist ein tolles familiäres Hotels mit nur 3 Schlafräumen, keine Doppelstock-Betten. Nach dem Einchecken, auf der Suche nach einem Lokal, das ein Bier und was Vegetarisches anbieten könnte, erkunde ich schon mal Belgrad bei Nacht.

Montag, 25.5.

Belgrad im Hellen

Der Blick auf den Zusammenschluss von Save und Donau ist für mich schon irgendwie ein ehrfürchtiger Moment. Beides Flüsse, an denen ich schon so viele km entlangreist bin!

Der Mittags-Zug nach Uzice ist leider auch ein moderner Stadler-FLIRT. Immerhin hat sich die "Investition" in 1. Klasse gelohnt - so viel Beinfreiheit hatte man ja höchstens in der 1. Klasse des Ur-ICE.